Schlagwort-Archive: Deutschland

Deutsche Bahn – mehr von allem

Dieser Beitrag ist Teil 6 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"

Die Deutsche Bahn ist mittlerweile leider eher dafür bekannt, ihren Kunden eine Menge Unannehmlichkeiten zu bereiten und damit Ärger und Streß zu verursachen. Um so mehr ist es mir eine Freude, mitteilen zu können, daß es ihr nach all dem Chaos, das sie bereits im Vorfeld meiner Fahrt nach Bonn veranstaltet hatte, dann doch gelungen ist, mich ohne größere Pannen an mein Ziel zu bringen. Das heißt natürlich nicht, daß ich dort pünktlich angekommen bin, doch betrug die Verspätung nur reichlich zehn Minuten, was für deutsche Verhältnisse heutzutage als pünktlich gelten muß. So kam ich dann doch recht entspannt in Bonn an.

Wie bereits berichtet, hatten sich die Planer für meine Rückfahrt, nachdem sie meine direkte Verbindung Anfang April bereits gestrichen hatten, am Ende des Monats jedoch offenbar gedacht, daß selbst die semi-direkte Verbindung mit einem Umstieg am Kölner Hauptbahnhof doch noch viel zu langweilig sei, und mir mitgeteilt, daß ich stattdessen von Bonn nach Siegburg und von dort dann nach Köln fahren solle, wobei sie mir für den ersten Abschnitt dieser Strecke ihre eigenen Dienste nicht mehr würden anbieten können, so daß ich auf die der Straßenbahn des Köln-Bonner Verkehrsverbunds würde zurückgreifen müssen. Immerhin war mir bereits im Vorfeld eine Empfehlung für die entsprechende Verbindung übermittelt worden.

Doch gestählt durch eine große Menge an Erfahrung im Reisen mit der Deutschen Bahn, traute ich dieser Empfehlung nicht so ohne weiteres und entschloß mich, etwas früher loszufahren. Etwas zeitlichen Puffer zu haben, ist ja immer gut, und bei der Bahn weiß man ja nie…

Den ersten „Ich hab’s ja gewußt“-Moment hatte ich bereits am Bonner Hauptbahnhof. Und ausnahmsweise konnte die Deutsche Bahn gar nichts dafür. Am Anzeiger der Straßenbahnhaltestelle entdeckte ich eine Laufschrift, die mir verkündete, daß am Bonner Bertha-von-Suttner-Platz ein Polizeieinsatz im Gange sei, aufgrund dessen die Linie 66 erhebliche Verspätungen erleide. Während ich schon überlegte, ob es nicht besser wäre, sofort auf ein Taxi umzusteigen, da die Linie 66 eben jene war, die mich nach Siegburg bringen sollte, lief die Meldung weiter und verriet mir, daß die Verspätungen nur in der Fahrtrichtung Bad Honnef zu erwarten wären. Puh, Glück gehabt.

Tatsächlich fuhr meine Bahn erst pünktlich ein und ich dann mit ihr los. Gute vierzig Minuten war ich nun früher unterwegs als von der Deutschen Bahn empfohlen. Das sollte wohl genügen, um pünktlich nach Köln zu kommen und meinen Zug nach Berlin zu erreichen.

Einige Minuten später verkündete die vor jeder Station erklingende Durchsage die in Kürze bevorstehende Ankunft am Bertha-von-Suttner-Platz. Herrje! Stimmte denn hier gar nichts? Wenn der Platz auf meiner Strecke lag, mußte der Polizeieinsatz doch wohl auch mich betreffen. Würde ich nun etwa doch aufgehalten?

Ich wurde nicht. Die Bahn hielt, Leute stiegen aus, andere Leute stiegen ein, die Türen schlossen sich und weiter ging’s. Ob ich einfach Glück gehabt und der Einsatz kurz zuvor geendet hatte oder ob die Meldung veraltet gewesen war – ich weiß es nicht. Ohne jegliche Verzögerung setzte die Bahn die Fahrt fort, überquerte den Rhein und langte nach reichlich zwanzig Minuten Fahrt glücklich am Siegburger Bahnhof an.

Wie ich nach einer kurzen Prüfung möglicher Verbindungen am Abend zuvor erfahren hatte, standen mir nun wenigstens vier Züge zur Auswahl. Genug Optionen, um von hier aus nach Köln Messe/Deutz zu kommen, wo ich meinen Zug nach Berlin heute erreichen würde, der aus mir nach wie vor unbekannten Gründen nicht am Kölner Hauptbahnhof halten konnte.

Da ich aus dem mir von der Bahn empfohlenen Plan noch wußte, daß mein Anschlußzug hier vom Gleis 1 verkehren sollte, lenkte ich meine Schritte dorthin. Es war ja durchaus anzunehmen, daß auch andere Züge in Richtung Köln dort verkehren würden. Ein Fahrstuhl brachte mich zum Bahnsteig hinauf. Als sich dessen Türen oben öffneten, fand ich mich unmittelbar vor einem Anzeiger wieder. Das erste, was ich dort zu lesen bekam, war die Information über die nächsten beiden Züge. Und die war alles andere als erfreulich, denn für beide wurde der komplette Ausfall der Fahrt verkündet.

Großartig! Das lief ja super!

Da ich keine Lust verspürte, jetzt den Informationsschalter oder einen Fahrplanaushang zu suchen, holte ich mein Handy hervor und rief die App der Deutschen Bahn auf. Eine kurze Suche über die nächsten zur Verfügung stehenden Verbindungen brachte mir nicht nur umgehend die Information, daß ich in einer Minute einen ICE nach Köln nehmen könnte, sondern auch die Erkenntnis, daß ich dafür auf dem falschen Bahnsteig stand. Ich befand mich am Gleis 1, der ICE, den ich nur wenige Meter von mir entfernt stehen sah, am Gleis 3. Eine Minute! Ob ich das schaffen würde?

Die Antwort auf diese Frage war: Nein.

Als ich mich dem Strom der den Zug verlassenden Menschen entgegen die Treppe zum Bahnsteig hinaufgekämpft hatte, konnte ich nicht mehr tun, als dem bereits abfahrenden Zug hinterherzuwinken.

Nun gut, der war weg. Die beiden nächsten, das wußte ich vom Anzeiger am Gleis 1, fielen aus. Da jedoch alle drei nicht auf meinem mir von der Bahn empfohlenen Plan gestanden hatten, machte ich mir keine Sorgen. Denn ein kurzer Blick auf eben diesen Plan, den ich in der App einsehen konnte, zeigte mir, daß der dort angekündigte Zug nicht ausfallen sollte. Allerdings wurde bereits eine Verspätung angezeigt, die jedoch nur eine Minute betrug. Und solange sie kleiner blieb als jene meines Zuges nach Berlin, für den bereits eine aktuelle Verzögerung um zehn Minuten angegeben wurde, war alles gut. Lediglich meine frühere Abfahrt in Bonn wäre dann nutzlos gewesen.

Doch ich hatte noch eine andere Option. Knapp zehn Minuten vor meinem geplanten Zug sollte hier am Gleis 3 noch ein weiterer ICE halten. Eigentlich waren es zwanzig, doch auch dieser ICE sollte gute zehn Minuten verspätet sein. Ich beschloß, es mit ihm zu versuchen. Sollte sich seine Verspätung noch vergrößern, könnte ich immer noch zurück zum Gleis 1 wandern, wo mein eigentlich geplanter Zug abgehen sollte.

Es war jetzt kurz nach halb zehn Uhr morgens. Eine gute halbe Stunde hatte ich nun Zeit. Ich setzte mich auf eine Bank und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Zunächst waren das jede Menge Durchsagen. Offenbar war der heutige Tag für die Bahn wieder einmal voller Probleme. Es vergingen kaum einmal fünf Minuten, ohne daß es in den Lautsprechern knackte und irgendeine Meldung durchgegeben wurde. Hier fiel ein Zug aus, weil es einen Notarzteinsatz gab, dort fuhr ein anderer gar nicht, weil am Zug technische Defekte aufgetreten waren. Hier am Bahnhof in Siegburg konnte man der Deutschen Bahn jedenfalls nicht vorwerfen, ihre Fahrgäste über das Geschehen im Dunkeln zu lassen. Dachte ich zunächst, daß es angesichts all dieser Durchsagen offenbar ganz schön viele Probleme gäbe, stellte ich bald fest, daß die hier betriebene Informationspolitik einigermaßen merkwürdig war. Nicht nur, daß man alle fünf Minuten den Ausfall derselben Züge verkündete – das könnte man ja durchaus als beflissenen Informationsdienst am Kunden betrachten. Nein, man gab auch Meldungen durch, über deren Sinnlosigkeit sich kaum streiten lassen dürfte. So hörte ich um 9:53 Uhr bereits zum zweiten Mal die Durchsage, die mich davon in Kenntnis setzte, daß der Zug nach Au am Sieg heute nicht wie geplant um 7:32 Uhr fahren, sondern stattdessen wegen eines Notarzteinsatzes ausfallen würde. Selbiges verkündete man für den Zug um 8:32 Uhr. Wozu? Die Abfahrtszeiten waren doch lange vorbei! Und so brachten mich diese Durchsagen lediglich zu der Frage, was das wohl für ein Einsatz sein mußte, der wenigstens drei Stunden lang reihenweise Züge ausfallen ließ, denn auch für das Ausbleiben eines eigentlich um kurz nach halb zehn Uhr verkehrenden Zuges gab er den Grund ab.

Da ich keine Antwort auf diese Frage finden würde, freute ich mich stattdessen wenig später über das Eintreffen des ICEs, der seine zehnminütige Verspätung immerhin nicht vergrößert hatte. Als Grund für die Verzögerung verriet mir eine weitere Durchsage am Bahnsteig die Verspätung eines vorausfahrenden Zuges. Der mußte aber irgendwo abgebogen sein, denn solange ich mich an dem Bahnsteig aufhielt, kam nur einer hier vorbei, und der fuhr gute fünfzehn Minuten vorher durch.

Dieselbe Zeitspanne später langte ich glücklich in Köln an. Noch viel glücklicher war ich, als ich feststellte, daß sich die zehnminütige Verspätung meines Zuges nach Berlin bisher nicht nur nicht vergrößert hatte, sondern daß er auch noch von eben dem Gleis abfahren würde, an dem ich gerade angekommen war.

Die zehn Minuten blieben auch die ganze halbe Stunde lang erhalten, die ich wartend auf dem Bahnhof Köln Messe/Deutz verbrachte. Als der Zug dann kurz vor elf Uhr den Bahnhof verließ, schien die Welt also noch in Ordnung. Mehr oder weniger jedenfalls. Für Bahnverhältnisse. Wenn ich aber gedacht hatte, daß das so bliebe, sollte ich bald eines Besseren belehrt werden.

Keine Stunde später – es war 11:44 Uhr und der Zug hatte Wuppertal passiert – knackte es im Lautsprecher des Waggons, in dem ich saß, und eine weitere der an diesem Tag so reichlichen Durchsagen brachte uns Fahrgästen die frohe Kunde, daß wir Bielefeld heute nicht sehen würden. Ein Halt sei dort nicht möglich. Kurz dachte ich an die Sperrung des Bahnhofs, doch erfuhr ich gleich darauf, daß es nicht der Bahnhof war, den man gesperrt hatte. Es war die Strecke.

Ich muß gestehen, ich konnte ein kurzes Auflachen nicht unterdrücken. Hatte ich etwas anderes erwartet?

Immerhin, so teilte man mit, würden wir nicht irgendwo herumstehen müssen, sondern stattdessen über eine andere Strecke umgeleitet werden. Leider würde das bedeuten, daß wir von Hagen aus ohne weiteren Halt bis Hannover durchfahren müßten. Alles in allem brächte uns das leider eine Verlängerung der Fahrt um hundert bis hundertzwanzig Minuten ein. Doch das, so beeilte man sich hinzuzufügen, sei nur eine Prognose.

Man ist offenbar vorsichtig geworden bei der Deutschen Bahn. Feste Zusagen macht niemand mehr, seit die Fahrpläne auch keine mehr darstellen. So war es auch nicht sonderlich verwunderlich, daß das Geschehen nicht nur von mir mit einem gewissen Galgenhumor quittiert wurde. Und das betraf nicht nur die Fahrgäste! Als ein Kellner durch den Waggon ging, um die zuvor bestellten Getränke auszuliefern, entspann sich zwischen ihm und dem hinter mir sitzenden Fahrgast folgender Dialog:

Kellner: „Wie möchten sie zahlen? Bar, mit Karte oder mit Gutschein?“
Fahrgast: „Ach, Gutschein geht auch? Stellen Sie mir einen aus?“
Kellner: „Haben sie keinen? Na, kriegen sie wahrscheinlich heute, wir werden ja zwei Stunden Verspätung haben…“

Inzwischen war es 11:55 Uhr geworden und wir hatten Hagen erreicht.

Da man sich über den Grund der Streckensperrung zunächst nicht weiter geäußert hatte, schaute ich ein weiteres Mal in die Handy-App der Deutschen Bahn, ob es irgendwelche diesbezüglichen Mitteilungen gäbe. Und tatsächlich wurde ich nicht nur fündig, sondern erhielt mehr Informationen, als mir lieb waren.

Die erste Meldung verkündete lapidar einen „Notarzteinsatz auf der Strecke“ und wurde unmittelbar gefolgt von einer zweiten, die die „Verspätung eines vorausfahrenden Zuges“ zum Besten gab. Na, Mensch, da war ja heute ganz schön was los bei der Bahn.

Doch damit nicht genug. Eine dritte Meldung griff den Notarzteinsatz der ersten auf und konkretisierte den Ort: es sei die Strecke zwischen Hamm und Bielefeld betroffen, irgendwo zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde[1]Hier der etwas konfuse Originaltext der Meldung: „Notarzteinsatz auf der Strecke: Auf der Strecke Hamm (Westf) Hbf – Bielefeld Hbf zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde. Es kommt zu … [Weiterlesen].

Für alle diese Meldungen war kein Zeitpunkt angegeben. Das änderte sich bei der vierten. Sie behauptete, von „Jetzt“ zu sein und lieferte einen dritten Grund:

Zwischen Hamm (Westf) Hbf und Bielefeld Hbf befinden sich Gegenstände in der Oberleitung. Die Züge halten am nächsten Bahnhof und warten dort die Dauer der Streckensperrung ab oder werden nach Möglichkeit umgeleitet.

Eine fünfte Meldung schließlich kam wieder auf den Notarzteinsatz zurück, verlegte aber dessen Ort:

Aufgrund eines Notarzteinsatzes zwischen Gütersloh Hbf und Hamm (Westf) Hbf ist die Strecke in beide Richtungen gesperrt. Die Streckensperrung dauert voraussichtlich bis 13:15 Uhr. Weitere Informationen folgen.

Tja. Da konnte ich mir jetzt wohl etwas aussuchen. Verwirrt studierte ich die fünf Meldungen und entdeckte dabei noch eine sechste, die als einzige einen konkreten Zeitpunkt nannte: 1. März 2024, 1:28 Uhr. Sie lautete: „Bauarbeiten. Der Zug hält ersatzweise in Köln Messe/Deutz Gl. 11-12. Bitte prüfen Sie Ihre Reiseverbindung kurz vor der Abfahrt des Zuges.“

Mal davon abgesehen, daß ich die Empfehlung im letzten Satz wenig hilfreich fand – das muß man meiner Erfahrung nach mittlerweile bei jeder Fahrt mit der Deutschen Bahn tun, egal, ob sie etwas meldet oder nicht -, wußte ich nun immerhin, warum ich so umständlich von Bonn nach Köln hatte fahren müssen.

Einer kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs in Hagen durchgegebenen Meldung zufolge war unsere Verspätung nun bereits auf einundzwanzig Minuten angewachsen. Dabei hatten wir die Umleitung noch gar nicht erreicht. Immerhin wurde nun auch der Grund für die Streckensperrung durchgegeben. Es sei ein Personenunfall zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde gewesen, der einen Notarzteinsatz erforderlich gemacht habe. Offenbar war Meldung Nummer Drei aus der Handy-App die richtige.

Reichlich zwanzig Minuten später – es war nun 12:20 Uhr – hielt der Zug überraschend in einem Bahnhof an. Sollten wir nicht bis Hannover durchfahren? Ich schaute aus dem Fenster und entdeckte ein Bahnhofsschild: Hamm. Das lag immer noch auf unserer Stammstrecke. Und eigentlich sollten wir laut den Informationen über die Fahrt des Zuges, die ich in der Handy-App gefunden hatte, heute hier gar nicht halten! Was war denn nun schon wieder los?

Wenn ich mich auf dieser heutigen Reise auch über vieles beschweren konnte – die Durchsagen in diesem Zug nach Berlin gehörten erfreulicherweise nicht dazu. Die Erklärung folgte prompt. Der Zugführer habe noch keinen Fahrplan für die Umleitungsstrecke erhalten. Da der aber erforderlich sei, müßten wir darauf jetzt warten. Nur auf die Frage, wie lange das dauern würde, schien auch der Schaffner keine Antwort zu haben. Jedenfalls äußerte er sich nicht dazu.

Sieben Minuten später folgte bereits die nächste Durchsage. Der Fahrplan sei jetzt eingetroffen, in Kürze gehe es weiter. Offenbar legte man sich mächtig ins Zeug.

Und tatsächlich: drei Minuten später waren wir wieder unterwegs und begaben uns auf die angekündigte Umleitung. Hatte ich angesichts der gegebenen Prognose eine Bummeltour durch die Lande erwartet, ging die Fahrt zu meiner Überraschung flott voran.

Als nach einer Weile – es war inzwischen 13:49 Uhr  – wieder eine Durchsage durch den Waggon schallte, gab es – zumindest unter den gegebenen Umständen – endlich einmal gute Nachrichten. Wir kämen, hieß es, sehr gut durch die Umleitung und bräuchten wohl noch etwa fünfundvierzig Minuten bis Hannover.

Als ich eine knappe Viertelstunde später aus dem Fenster blickte, bemerkte ich überrascht, daß hinter uns die Porta Westfalica dem Horizont entgegenrückte. Ganz offensichtlich befanden wir uns bereits wieder auf der Stammstrecke unseres Zuges. Na, das ging ja fix.

Auch das Zugpersonal hatte ganz offensichtlich diesen Eindruck und wollte nicht versäumen, die Fahrgäste daran teilhaben zu lassen. Die Prognose sei angepaßt worden, hieß es in einer entsprechenden Durchsage, wir würden Hannover bereits um 14:34 Uhr erreichen. Gegen 16 Uhr seien wir dann Berlin. Nun, wenn sich das tatsächlich bestätigte, wäre das eine knappe Stunde früher als ursprünglich vorhergesagt.

Als wir um 14:38 Uhr Hannover verließen, betrug unsere Verspätung gute siebzig Minuten. Wahrlich kein Grund zur Freude, doch angesichts der ursprünglich prognostizierten Ankunft war, wie mir schien, trotzdem niemand ernsthaft verärgert. Auch meine Verstimmung hielt sich in Grenzen. Zum einen lag die Ursache heute tatsächlich nicht in der Verantwortung der Bahn, zum anderen hatte man alles in allem die Situation gut gehandhabt. Die nötigen Informationen waren prompt durchgegeben worden und hatten stets über die Lage informiert. Und ganz offensichtlich hatte man auch alles Menschenmögliche dafür getan, die Auswirkungen so gut wie möglich zu minimieren. Lediglich die Handy-App hatte mit ihrem Verwirrspiel hinsichtlich der einander widersprechenden Meldungen das Bild etwas getrübt.

So kam ich trotz des holprigen ersten Teils der heutigen Fahrt zu guter Letzt doch noch gut und einigermaßen streßfrei in Berlin an. Dennoch muß ich, wenn ich rückblickend alle Umstände dieser Reise nach Bonn und zurück, von der Buchung bis zu den Fahrten, zusammen betrachte, wieder einmal feststellen, daß bei der Deutschen Bahn derzeit einiges im Argen liegt. Entspanntes Reisen sieht anders aus. Doch anstatt mich aufzuregen, nehme ich es lieber mit Humor. Schließlich habe ich heute von allem ein wenig mehr bekommen, als zu erwarten gewesen wäre: mehr Umstiege, mehr – teils verwirrende – Meldungen in der App, mehr – teils ebenso verwirrende – Durchsagen, mehr Strecke und schließlich mehr Zeit im Zug. Und das am Ende sogar noch für weniger Geld. Denn wegen der Verspätung darf ich mich auf eine teilweise Rückerstattung freuen. Und dann habe ich vielleicht auch einen Gutschein…

Referenzen

Referenzen
1 Hier der etwas konfuse Originaltext der Meldung: „Notarzteinsatz auf der Strecke: Auf der Strecke Hamm (Westf) Hbf – Bielefeld Hbf zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde. Es kommt zu Verspätungen in beide Richtungen im Fernverkehr der Deutschen Bahn.“

Vorfreude à la Deutsche Bahn

Dieser Beitrag ist Teil 5 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"

Wer nicht nur gelegentlich mit der Deutschen Bahn durch die Lande fährt, ist Kummer gewöhnt. Doch immer wenn man denkt, nun habe man wirklich alles erlebt, schlimmer könne es nun wirklich nicht mehr werden, sorgt die Bahn umgehend dafür, daß man seinen Irrtum erkennt. Denn schlimmer geht immer!

Wieder einmal ist es Mai. Wieder einmal ist es Zeit für die jährliche FedCon – das große Treffen der Fans und Stars der Science-Fiction-Szene in Deutschland, an dem ich nun schon das zweiundzwanzigste Mal teilnehme. Und wie jedes Mal fahre ich mit der Bahn zum Ort der Veranstaltung, der, wie in den letzten Jahren auch, das Maritim-Hotel in Bonn ist. Jedes Jahr bin ich auf’s neue gespannt, was die Freunde des Schienenstrangs diesmal für mich bereithalten. Denn eines ist sicher: Langweilig wird es garantiert nie. Doch was sie sich dieses Mal ausgedacht hatten, hatte ich wirklich noch nie erlebt. Denn dieses Mal begann das Chaos bereits weit vor der Fahrt…

Doch der Reihe nach.

In diesem Jahr hatte ich mich entschlossen, mit dem Kauf meines Tickets für die Convention auch gleich Hotel und Fahrkarte zu buchen. Das gestaltete sich via Internet recht unkompliziert und ermöglichte mir den Erwerb eines Spartickets, dessen Preisnachlaß so groß war, daß das Budget sogar eine Fahrt in der ersten Klasse hergab. Dafür mußte ich lediglich eine Einschränkung meiner Flexibilität in Form einer Zugbindung in Kauf nehmen, doch das war alles in allem akzeptabel. Und wenn es, wie sie behauptet, der Bahn half, besser zu planen, sollte es mir recht sein, auch wenn ich das Modell der Preisgestaltung, das die Bahn ihren Ticketverkäufen zugrundelegt, ja nie so recht verstanden habe. Insbesondere leuchtete mir nie richtig ein, inwiefern es bei der Planung hilft, wenn ich einen Zug früher buche, dessen Fahrt im Fahrplan doch bereits festgelegt ist, fährt er doch damit so oder so. Was sich allerdings in der Folge ereignete, zeigte mir, daß ich diese meine Grundannahme vielleicht doch noch einmal überdenken sollte.

So hatte ich also bereits am 22. Januar sämtliche Buchungen abgeschlossen – Veranstaltung, Hotel und Bahn – und blickte dem Termin der Convention entspannt und mit Vorfreude entgegen. Zumindest mit der Entspannung war es jedoch am Morgen des 2. April erst einmal vorbei. Um 9:02 Uhr nämlich schickte mir die Bahn eine Email mit dem Titel:

Fahrplanänderung auf Ihrer Reise nach Bonn Hbf am […]: Fahrt nicht wie geplant möglich

Als Grund wurde recht lapidar „eine Fahrplanänderung“ angegeben. Dachte ich zunächst an einen Fahrplanwechsel vom Winter- zum Sommerfahrplan, so wurde ich durch eine kurze Suche eines Besseren belehrt: der aktuelle Fahrplan der Bahn war noch bis zum 8. Juni 2024 gültig. War er etwa doch nicht so in Stein gemeißelt, wie ich bisher immer angenommen hatte? Wurden Züge, für die bis zu einem Stichtag ungenügend viele Buchungen eingegangen waren, etwa einfach aus dem Programm genommen? Oder gab es vielleicht einen anderen Grund? Ich konnte nur rätseln, denn weitere Auskünfte über die Hintergründe besagter Fahrplanänderung waren nirgendwo zu finden – weder in der Email noch auf der Website, auf der ich dem in ihr enthaltenen Link zufolge aktuelle Informationen abrufen können sollte.

Nun, es war kurz nach neun Uhr morgens, ich hatte zu arbeiten und zunächst keine Zeit, mich um das Problem zu kümmern. So hatte ich noch nichts unternommen, als mir die Bahn am Abend desselben Tages, genauer um 22:28 Uhr eine weitere Mail schickte, um mir folgendes mitzuteilen:

Fahrplanänderung auf Ihrer Reise nach Berlin Hbf am […]: Fahrt nicht wie geplant möglich

Das nenne ich mal konsequent! Nicht nur meine Hinfahrt, nein, auch meine Rückfahrt sollte es nun also nicht mehr geben. Der Grund für die zweite Absage, war derselbe wie für die erste: Fahrplanänderung. Welchen Grund allerdings diese hatte, mußte mich nach Meinung der Bahn offenbar nicht interessieren.

Immerhin teilte man mir erfreulicherweise mit, daß ich kein neues Ticket erwerben mußte. Man habe die Zugbindung, der ich bisher unterlegen hatte, aufgehoben. Ich könne also nun auch andere Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn sowie Nahverkehrszüge und S-Bahnen nutzen. Lediglich eine neue Sitzplatzreservierung müsse ich vornehmen, da die alte natürlich nicht mehr aufrechtzuerhalten sei. Und auch zu der Frage, wie mit dieser zu verfahren sei, hielt man einige Hinweise bereit:

Sie können sich – soweit verfügbar – einen Sitzplatz für Ihre neue Verbindung buchen. Die Kosten für die nicht in Anspruch genommene, ursprüngliche Reservierung können Sie zur Erstattung einreichen. Dazu können Sie den digitalen Fahrgastrechte-Antrag Digitale Fahrgastrechte nutzen.

Auf die Idee, die Kosten für eine per Internet gebuchte und per Paypal oder Kreditkarte bezahlte, aber nun hinfällige Reservierung von allein und automatisch zu erstatten, kommt man bei der Bahn ganz offensichtlich nicht. Böswillige würden jetzt wohl unterstellen, man spekuliere dort darauf, daß die Leute das vergessen. Ich würde das natürlich nie denken!

Ich brauchte nun einige Tage, bis ich die Zeit fand, mich um die Buchung einer neuen Reservierung und die Erstattung der alten zu kümmern. Daß sich das nämlich nicht ganz so einfach gestalten würde, hatte ich recht schnell herausgefunden. Zwar versprach die Mail, daß mir der Klick auf den Link zu den aktuellen Informationen dabei helfen würde, eine alternative Zugverbindung zu finden, und tatsächlich war eine entsprechende Suchmöglichkeit auf der Website, zu der ich dann geleitet wurde, auch vorhanden, doch diese lieferte bei jedem meiner Versuche immer wieder nur ein und dasselbe Ergebnis: eine alternative Verbindung konnte nicht gefunden werden. Ich würde wohl oder übel das reguläre Buchungssystem mit seinem langwierigen Buchungsprozeß nutzen müssen.

So machte ich mich also am Abend des 17. April daran, neue Sitzplatzreservierungen vorzunehmen. Da sich die Bahn nach wie vor nicht in der Lage sah, mir die angekündigten alternativen Verbindungen zu meinen abgesagten Zügen herauszusuchen, mußte ich das wohl selbst tun. Also rief ich das Buchungssystem auf und nahm meine Einstellungen vor: Ausgangsbahnhof Berlin, Zielbahnhof Bonn, Datum, gewünschte Ankunftszeit, 1. Klasse, mit Rückfahrt, noch einmal Datum und gewünschte Ankunftszeit und zu guter Letzt noch auswählen, daß bitte nur Sitzplätze reserviert werden sollen. Klick auf „Suchen“. Los ging’s. Als nächstes mußte ich meinen Zug auswählen und erfuhr endlich, worin eigentlich die ominöse Fahrplanänderung bestand: zu dem von mir gewünschten Fahrtzeitpunkt gab es nun keine durchgehende Verbindung von Berlin nach Bonn mehr. Ich würde also in Köln umsteigen müssen.

Nun gut, ich wählte eine Verbindung und anschließend einen Sitzplatz aus. Seit ich von der automatischen Platzauswahl einmal einen Fensterplatz zugewiesen bekommen hatte, der gar keiner war, weil sich lediglich die Lehne des Sitzes am Fenster befand, mache ich das immer selbst. Ein Klick auf „Weiter“ und – nanu? Müßte jetzt nicht eigentlich die Auswahl der Rückreiseverbindung folgen? Stattdessen trat ich bereits in den Zahlungsprozeß ein. Da stimmte doch was nicht!

Also wieder zurück auf Anfang. Ich stellte alles nochmal ein, Hinreise, Rückreise, 1. Klasse und zu guter Letzt noch „Nur Sitzplatzreservierung“ auswählen. Und diesmal fiel es mir auf! Kaum aktivierte ich die Option, daß ich nur Sitzplätze reservieren möchte, wurden die für die Rückreise ausgewählten Daten kommentarlos gelöscht. Die Bahn ermöglichte es mir also, ein Ticket für Hin- und Rückreise zusammen zu buchen und dafür auch Plätze zu reservieren, wollte ich aber ausschließlich Platzkarten kaufen, dann ging das nur einzeln. Inklusive Kaufprozeß. Service vom Feinsten!

Nun gut. Es war ja nicht anders möglich. Ich klickte mich also zweimal durch den gesamten Buchungsvorgang, der nicht gerade kurz war, veranlaßte damit zwei getrennte Abbuchungen von meinem Konto und hatte am Ende glücklich zwei neue Platzkartenreservierungen erstanden. Uff! Es ist schon fast müßig zu erwähnen, daß natürlich auch für die Rückfahrt keine durchgehende Verbindung zum von mir gewünschten Zeitpunkt mehr existierte.

Nun noch die Rückerstattung. In den beiden Emails hatte man mir versprochen, daß ich das digital erledigen könne. Ich war gespannt und klickte erwartungsvoll den Link an, der mit „digitale Fahrgastrechte“ benannt war. Ich landete auf einer Seite, die mir detailliert die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten beschrieb, meine digitalen Fahrgastrechte – wie können Rechte eigentlich digital sein? – geltend zu machen. Neben dem Einsenden eines entsprechend ausgefüllten Formulars per Post standen mir zwei Wege offen, das online zu erledigen: auf der Website über mein Kundenkonto oder in der Handy-App der deutschen Bahn. Da ich nun schon mal am Computer saß und die Website vor mir hatte, wählte ich diese Option.

Als erstes sollte ich mich erstmal einloggen. Man wollte ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hatte. Nachdem ich mich der Bahn zu erkennen gegeben hatte, versuchte ich, der zuvor erhaltenen Anweisung zu folgen:

Wählen Sie in Ihrer Buchungsübersicht die entsprechende Reise oder Streckenzeitkarte aus, für die Sie Entschädigung beantragen wollen. Klicken Sie innerhalb des Reiters „Fahrgastrechte“ den Button „Entschädigung beantragen“ an.

Ich war absolut bereit, das zu tun, nur konnte ich nach der Auswahl der entsprechenden Reise den angesprochenen Reiter „Fahrgastrechte“ leider nirgendwo entdecken. Eigentlich gab es auf der Seite überhaupt keine Reiter. Das wäre ja auch zu einfach gewesen.

Ich fing nochmal von vorne an. Das Ergebnis blieb dasselbe. Wenn der Button da irgendwo war, schien er nicht so einfach zu finden zu sein[1]Hier muß ich fairerweise anmerken, daß ich heute, als ich den Artikel schreibe, die Seite noch einmal aufgerufen habe. Zwar sind dort immer noch keine Reiter zu finden, doch ganz unten, fast am … [Weiterlesen]. Aber es gab ja noch eine andere Option.

Ich griff zu meinem Handy, rief die als „DB Navigator“ bezeichnete App der Deutschen Bahn auf und wählte meine Reise aus. Unter „Weitere Aktionen“ wurde ich sofort fündig: Entschädigung beantragen. Klick! Und schon war ich wieder raus aus der App. Mein Webbrowser startete. Da hatte jemand Entwicklungskosten gespart. Wozu die Funktion in der App noch einmal realisieren, wenn man sie schon auf der Website hat? Aber wenn es funktionierte, sollte es mir egal sein.

Tat es natürlich nicht. Stattdessen wurde mir eine Seite angezeigt, auf der lediglich stand, daß ich die Erstattung erst beantragen könne, wenn der Zeitraum meiner Reise in der Vergangenheit läge. Bitte was? Es war bereits jetzt klar, daß ich die Reservierung nicht würde wahrnehmen können, weil es die Fahrt, für die der Platz reserviert wurde, nicht mehr geben würde. Ich mußte jetzt aber trotzdem warten, bis der Termin der abgesagten Fahrt verstrichen war, bevor ich die Erstattung beantragen konnte? Warum genau? Weil der Fahrplan bis dahin vielleicht nochmal geändert werden und es die Fahrt dann plötzlich doch wieder geben könnte, oder was? Kann ich die böswillige Unterstellung von vorhin bitte nochmal sehen?

Da ich der Bahn das Geld für die obsoleten Reservierungen keinesfalls zu schenken gedachte, ich die Rückerstattung aber derzeit auch nicht beantragen konnte, blieb mir nichts anderes übrig als in meinem Kalender eine entsprechende Erinnerung zu hinterlegen.

Wenn ich nun allerdings dachte, daß die Bahn sich mit diesem Chaos zufriedengeben würde, so hatte ich mich geirrt. Obwohl ich jetzt neue Reservierungen vorgenommen hatte, schickte sie mir von nun an in unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal eine Information, daß meine Zugverbindung nicht wie geplant fahrbar sei und ich mich doch bitte um alternative Reisemöglichkeiten bemühen solle. Diese Informationen trudelten mal per Email und mal über die Handy-App ein, manchmal auch in beiden Medien gleichzeitig, und jedesmal mußte ich genauestens prüfen, was genau nicht mehr funktionieren würde. Es war ja schließlich möglich, daß auch meine neu gebuchten Verbindungen plötzlich nicht mehr fahrbar waren. Bei der Bahn weiß man ja nie…

Wie recht ich mit dieser Befürchtung hatte, erwies sich einige Tage später. Der Monat April sollte wohl nicht vorübergehen, ohne daß die Bahn noch etwas mehr Chaos produzierte. Am 30. April trudelte nach 22 Uhr wieder eine Email ein, die ich fast schon geneigt war zu ignorieren, dann aber glücklicherweise doch noch einmal genauer in Augenschein nahm. Diesmal teilte man mir mit, daß es weitere Fahrplanänderungen gäbe, die eine meiner neuen Reiseverbindungen beträfen. Der Link zu den aktuellen Informationen half genauso wenig weiter wie beim letzten Mal und einen Grund für die Änderung suchte ich erneut vergeblich. Diesmal hatte man mir aber immerhin bereits in der Email einen alternativen Reiseplan mitgeliefert. Diesem konnte ich entnehmen, daß nun die Zugverbindung von Bonn nach Köln gestrichen worden war, und zwar offenbar so gründlich, daß die Alternative darin bestand, von Bonn nach Siegburg die Straßen- beziehungsweise U-Bahn[2]Im Verkehrsverbund von Köln und Bonn sind Straßen- und U-Bahn gewissermaßen dasselbe. Insbesondere an den unterirdischen Streckenabschnitten als U-Bahn bezeichnet, fahren die Züge aber an anderen … [Weiterlesen] zu nehmen, um von dort dann mit der Regionalbahn nach Köln zu gelangen. Davon waren nun immerhin meine Sitzplatzreservierungen nicht betroffen, so daß keine weiteren Aktivitäten meinerseits mehr erforderlich waren. Immerhin. Bei der Bahn muß man sich ja mittlerweile auch über die kleinen Dinge freuen…

Noch immer steht die Reise erst bevor. Ich darf also weiterhin gespannt darauf sein, was die Deutsche Bahn bis dahin noch für mich bereit hält.

Referenzen

Referenzen
1 Hier muß ich fairerweise anmerken, daß ich heute, als ich den Artikel schreibe, die Seite noch einmal aufgerufen habe. Zwar sind dort immer noch keine Reiter zu finden, doch ganz unten, fast am Ende der Seite, entdecke ich dann doch noch den mit „Entschädigung beantragen“ beschrifteten Button. Ob er bei meinem ersten Versuch noch nicht da war oder ob ich ihn aufgrund der irreführenden Beschreibung des Vorgehens schlicht übersehen hatte – was ich durchaus bereit bin einzuräumen -, kann ich heute nicht mehr sagen.
2 Im Verkehrsverbund von Köln und Bonn sind Straßen- und U-Bahn gewissermaßen dasselbe. Insbesondere an den unterirdischen Streckenabschnitten als U-Bahn bezeichnet, fahren die Züge aber an anderen Stellen wie anderswo Straßenbahnen.

Doch mal pünktlich! – Also fast…

Dieser Beitrag ist Teil 4 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"
Aus den Notizen eines Bahnfahrers (IV)

Wenn man die deutsche Bahn für ihre Probleme, die sie ihren Kunden derzeit so oft bereitet, kritisiert, dann muß man fairerweise auch erwähnen,  wenn etwas einmal besser läuft.

Und so will ich nicht versäumen zu vermelden,  daß ich meinen ICE heutigentags in Köln nicht nur trotz Verspätung des Zubringerzuges noch erreicht habe und er auch noch auf die Minute pünktlich abgefahren ist,  sondern daß er es überdies fast geschafft hat, pünktlich in Berlin anzukommen.  Fast. Ganze elf Minuten Verspätung nur auf dieser langen Strecke quer durch Deutschland – das passiert nicht oft. Bravo!

Auch wenn, was man so hört, die Schweizer Bahnen das absurd finden mögen – sie sollen ja sagenhaft pünktlich verkehren -, ich bin hinsichtlich der hiesigen Verhältnisse regelrecht begeistert. Auch wenn die Wagenreihung wieder mal umgedreht war. Aber man kann halt heutzutage nicht alles haben…

Strandung knapp vermieden

Dieser Beitrag ist Teil 3 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"
Aus den Notizen eines Bahnfahrers (III)

Eine Fahrt von Trier nach Berlin ist überaus – nun, nennen wir sie: interessant.

Zunächst einmal gibt es derzeit keine direkte Verbindung. Früher verband die beiden Städte mal ein ICE, doch das ist vorbei.

Jetzt hat man die Wahl zwischen einmal und zweimal umsteigen. Interessant dabei ist, daß, wer auf die möglichst geringe Anzahl Umstiege optimiert, länger unterwegs ist. Denn die Fahrt geht zunächst nach Mannheim.

Nun weiß der geübte Bahnfahrer, daß es bei der deutschen Bahn durchaus von Vorteil sein kann, möglichst wenig umzusteigen, da es die Chance auf verpaßte Züge reduziert. Es sei denn, man vertraut darauf, daß die Bahn ihr neues Konzept zur Vermeidung verpaßter Anschlüsse konsequent umsetzt.

Ich tat das zwar nicht, entschied mich allerdings trotzdem für eine Verbindung mit zwei inklusiven Umstiegen, einer in Koblenz,  der andere in Köln. Der Grund war ganz einfach: bei fast acht Stunden Reisezeit wollte ich die Fahrt nicht noch unnötig verlängern.

Kurz vor Antritt der Fahrt entschloß ich mich aufgrund des bereits erwähnten, nicht vorhandenen Vertrauens dazu, es doch zu tun. Aber nicht, indem ich nach Mannheim fuhr – das hätte mich meiner zwei Sitzplatzreservierungen verlustig gehen lassen -, sondern indem ich vorsichtshalber den Zug nach Koblenz eine Stunde früher nahm. Da ich auf dieser Strecke ohnehin nur mit einem reservierungslosen Regionalexpreß unterwegs sein würde, spielte es keine Rolle, mit welchem Zug ich fuhr.

Daß diese Vorsichtsmaßnahme angemessen war, bewies mir die Bahn gleich einmal damit, daß der Zug zwar pünktlich ankam, aber bei der Abfahrt bereits fünf Minuten Verspätung hatte.

Natürlich holte der Zug die Verspätung nicht mehr auf. Er baute sie eher noch auf acht Minuten aus. Doch ich hatte ja nun Zeit. Wie ich später der Anzeigetafel im Koblenzer Bahnhof entnehmen konnte,  hatte auch der Zug, den ich eigentlich nehmen sollte, mehrere Minuten Verspätung.  Da wäre es bei einer planmäßigen Umsteigezeit von 17 Minuten möglicherweise knapp geworden. Sie kriegen es bei der Bahn offenbar einfach nicht hin, pünktlich zu sein.

Doch sie hatten dafür vorgesorgt. Gemäß ihrem neuen Konzept spendierte die Bahn meinem Anschlußzug auch zehn Minuten Verspätung. Zumindest laut Anzeigetafel. In der App waren es dann schon 14, was am Ende eher der Realität entsprach.

So bin ich nun glücklich nach Köln unterwegs, stets inständig hoffend, daß der Zug seine Verspätung nicht noch ausbaut und so meine 43 Minuten Umsteigezeit, die bereits auf 29 Minuten geschrumpft sind, weiter reduziert und gar komplett aufbraucht. Denn als Grund für die Verspätung wurde in Koblenz eine „Reparatur am Zug“ angegeben.

Und daß diese nicht unproblematisch ist, konnte der geneigte Fahrgast einer interessanten Laufschrift entnehmen, die am Bahnhof durch die Anzeige tickerte. Dort war nämlich zu lesen, daß der Intercity nach Dresden, mit dem ich nach Köln unterwegs sein würde, heute an den folgenden Bahnhöfen nicht halten würde: Braunschweig, Magdeburg,  Halle ( Saale), Leipzig, Dresden-Neustadt und zu guter Letzt Dresden Hauptbahnhof.  Das aber bedeutet schlicht nichts anderes, als daß der Zug nach Dresden gar nicht mehr nach Dresden fahren, sondern seine Reisenden in Hannover stranden lassen würde.  Grund auch hier: eine „Reparatur am Zug“.

Mal davon abgesehen,  daß ich am Bahnhof in Koblenz nur ein einziges Mal eine auf diesen nicht ganz uninteressanten Umstand hinweisende Durchsage hören konnte, so daß später eintreffende Reisende nur davon Kenntnis erhielten, wenn sie noch einmal aufmerksam auf die Anzeigetafel schauten, frage ich mich immer noch, warum ein Zug, der laut Angabe des Verspätungsgrundes doch repariert wurde, so daß er seine Fahrt – zum Glück für mich – nicht ganz abbrechen muß, nicht in der Lage ist, sein eigentliches Ziel zu erreichen. Und wenn dem so ist, woher weiß man dann so genau, daß er ausgerechnet bis Hannover noch durchhalten wird? Fragen über Fragen…

Wie die Bahn neuerdings verpaßte Anschlüsse vermeidet

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"
Aus den Notizen eines Bahnfahrers (II)

Die Bahn wird ja oft kritisiert, weil sie mit ihren ständigen Verspätungen das Erreichen von Anschlußzügen unmöglich macht.

Das hat sie sich zu Herzen genommen und darauf jetzt reagiert.

Also keine Verspätungen mehr? Aber nicht doch! Wo kämen wir denn in diesem Land hin, wenn wir anfangen würden, die Probleme wirklich zu lösen… Am Ende würde noch alles funktionieren und wir bräuchten plötzlich keine teuren Berater mehr.

Nein. Die Bahn sorgt jetzt dafür, daß die Anschlußzüge auch mehr als eine Stunde Verspätung haben. Dann erreicht man sie auch wieder. Problem erfolgreich umgangen.