Kurzmitteilungen

Doch mal pünktlich! – Also fast…

Dieser Beitrag ist Teil 4 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"
Aus den Notizen eines Bahnfahrers (IV)

Wenn man die deutsche Bahn für ihre Probleme, die sie ihren Kunden derzeit so oft bereitet, kritisiert, dann muß man fairerweise auch erwähnen,  wenn etwas einmal besser läuft.

Und so will ich nicht versäumen zu vermelden,  daß ich meinen ICE heutigentags in Köln nicht nur trotz Verspätung des Zubringerzuges noch erreicht habe und er auch noch auf die Minute pünktlich abgefahren ist,  sondern daß er es überdies fast geschafft hat, pünktlich in Berlin anzukommen.  Fast. Ganze elf Minuten Verspätung nur auf dieser langen Strecke quer durch Deutschland – das passiert nicht oft. Bravo!

Auch wenn, was man so hört, die Schweizer Bahnen das absurd finden mögen – sie sollen ja sagenhaft pünktlich verkehren -, ich bin hinsichtlich der hiesigen Verhältnisse regelrecht begeistert. Auch wenn die Wagenreihung wieder mal umgedreht war. Aber man kann halt heutzutage nicht alles haben…

Strandung knapp vermieden

Dieser Beitrag ist Teil 3 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"
Aus den Notizen eines Bahnfahrers (III)

Eine Fahrt von Trier nach Berlin ist überaus – nun, nennen wir sie: interessant.

Zunächst einmal gibt es derzeit keine direkte Verbindung. Früher verband die beiden Städte mal ein ICE, doch das ist vorbei.

Jetzt hat man die Wahl zwischen einmal und zweimal umsteigen. Interessant dabei ist, daß, wer auf die möglichst geringe Anzahl Umstiege optimiert, länger unterwegs ist. Denn die Fahrt geht zunächst nach Mannheim.

Nun weiß der geübte Bahnfahrer, daß es bei der deutschen Bahn durchaus von Vorteil sein kann, möglichst wenig umzusteigen, da es die Chance auf verpaßte Züge reduziert. Es sei denn, man vertraut darauf, daß die Bahn ihr neues Konzept zur Vermeidung verpaßter Anschlüsse konsequent umsetzt.

Ich tat das zwar nicht, entschied mich allerdings trotzdem für eine Verbindung mit zwei inklusiven Umstiegen, einer in Koblenz,  der andere in Köln. Der Grund war ganz einfach: bei fast acht Stunden Reisezeit wollte ich die Fahrt nicht noch unnötig verlängern.

Kurz vor Antritt der Fahrt entschloß ich mich aufgrund des bereits erwähnten, nicht vorhandenen Vertrauens dazu, es doch zu tun. Aber nicht, indem ich nach Mannheim fuhr – das hätte mich meiner zwei Sitzplatzreservierungen verlustig gehen lassen -, sondern indem ich vorsichtshalber den Zug nach Koblenz eine Stunde früher nahm. Da ich auf dieser Strecke ohnehin nur mit einem reservierungslosen Regionalexpreß unterwegs sein würde, spielte es keine Rolle, mit welchem Zug ich fuhr.

Daß diese Vorsichtsmaßnahme angemessen war, bewies mir die Bahn gleich einmal damit, daß der Zug zwar pünktlich ankam, aber bei der Abfahrt bereits fünf Minuten Verspätung hatte.

Natürlich holte der Zug die Verspätung nicht mehr auf. Er baute sie eher noch auf acht Minuten aus. Doch ich hatte ja nun Zeit. Wie ich später der Anzeigetafel im Koblenzer Bahnhof entnehmen konnte,  hatte auch der Zug, den ich eigentlich nehmen sollte, mehrere Minuten Verspätung.  Da wäre es bei einer planmäßigen Umsteigezeit von 17 Minuten möglicherweise knapp geworden. Sie kriegen es bei der Bahn offenbar einfach nicht hin, pünktlich zu sein.

Doch sie hatten dafür vorgesorgt. Gemäß ihrem neuen Konzept spendierte die Bahn meinem Anschlußzug auch zehn Minuten Verspätung. Zumindest laut Anzeigetafel. In der App waren es dann schon 14, was am Ende eher der Realität entsprach.

So bin ich nun glücklich nach Köln unterwegs, stets inständig hoffend, daß der Zug seine Verspätung nicht noch ausbaut und so meine 43 Minuten Umsteigezeit, die bereits auf 29 Minuten geschrumpft sind, weiter reduziert und gar komplett aufbraucht. Denn als Grund für die Verspätung wurde in Koblenz eine „Reparatur am Zug“ angegeben.

Und daß diese nicht unproblematisch ist, konnte der geneigte Fahrgast einer interessanten Laufschrift entnehmen, die am Bahnhof durch die Anzeige tickerte. Dort war nämlich zu lesen, daß der Intercity nach Dresden, mit dem ich nach Köln unterwegs sein würde, heute an den folgenden Bahnhöfen nicht halten würde: Braunschweig, Magdeburg,  Halle ( Saale), Leipzig, Dresden-Neustadt und zu guter Letzt Dresden Hauptbahnhof.  Das aber bedeutet schlicht nichts anderes, als daß der Zug nach Dresden gar nicht mehr nach Dresden fahren, sondern seine Reisenden in Hannover stranden lassen würde.  Grund auch hier: eine „Reparatur am Zug“.

Mal davon abgesehen,  daß ich am Bahnhof in Koblenz nur ein einziges Mal eine auf diesen nicht ganz uninteressanten Umstand hinweisende Durchsage hören konnte, so daß später eintreffende Reisende nur davon Kenntnis erhielten, wenn sie noch einmal aufmerksam auf die Anzeigetafel schauten, frage ich mich immer noch, warum ein Zug, der laut Angabe des Verspätungsgrundes doch repariert wurde, so daß er seine Fahrt – zum Glück für mich – nicht ganz abbrechen muß, nicht in der Lage ist, sein eigentliches Ziel zu erreichen. Und wenn dem so ist, woher weiß man dann so genau, daß er ausgerechnet bis Hannover noch durchhalten wird? Fragen über Fragen…

Wie die Bahn neuerdings verpaßte Anschlüsse vermeidet

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 6 der Beitragsserie "Aus den Notizen eines Bahnfahrers"
Aus den Notizen eines Bahnfahrers (II)

Die Bahn wird ja oft kritisiert, weil sie mit ihren ständigen Verspätungen das Erreichen von Anschlußzügen unmöglich macht.

Das hat sie sich zu Herzen genommen und darauf jetzt reagiert.

Also keine Verspätungen mehr? Aber nicht doch! Wo kämen wir denn in diesem Land hin, wenn wir anfangen würden, die Probleme wirklich zu lösen… Am Ende würde noch alles funktionieren und wir bräuchten plötzlich keine teuren Berater mehr.

Nein. Die Bahn sorgt jetzt dafür, daß die Anschlußzüge auch mehr als eine Stunde Verspätung haben. Dann erreicht man sie auch wieder. Problem erfolgreich umgangen.