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Wirklich schon wieder ein Jahr…

Und wieder einmal ist es Silvester. Das Jahr 2018 neigt sich unweigerlich dem Ende entgegen. Hatte das nicht gerade eben erst angefangen? Das kann doch unmöglich schon wieder vorbei sein.

So oder so ähnlich mag es manchem gehen, da bin ich sicher nicht der einzige. Im Alltag fällt uns meist gar nicht auf oder wir ignorieren mehr oder weniger bewußt, daß die Zeit unweigerlich voranschreitet. Doch an Tagen wie diesem, die uns mit ihrer besonderen Bedeutung, die wir ihnen beimessen, aus dem Alltäglichen herausholen, kann es geschehen, daß wir uns plötzlich dessen bewußt werden, und wir fragen uns, wo die Zeit denn nur geblieben ist.

Und so sitze auch ich nun hier und denke über das zurückliegende Jahr nach. Wieder einmal halte ich mich fern von den alljährlichen Silvesterparties. An diesem Abend, wenn alle Welt feiert und feuerwerkt, ist mir eher nach Besinnlichkeit. Während alle mit einem hoffentlich guten Rutsch ins neue Jahr schliddern, möchte ich lieber sanft hinübergleiten. Ein Glas roten Weins an einem ruhigen Abend – mehr brauche ich nicht. Es muß mir allerdings gelingen zu ignorieren, daß von draußen vor dem Fenster Geräusche an mein Ohr dringen, die mich glauben lassen könnten, es wäre Krieg.

Warum um alles in der Welt ist jetzt schon wieder Jahresende? Ach, die Zeit verrennt. Das ist ein Satz, den viele sagen.

Eins, zwei, drei – im Sauseschritt
eilt die Zeit. Wir eilen mit.

So dichtete bereits Wilhelm Busch. Doch kann Zeit eilen? Oder rennen? Wohl eher nicht. Also stimmt der Satz nicht? Dem widerspricht der Eindruck, der sich bei manchem so manches Mal – und auch bei mir gerade jetzt – einstellt, daß schon wieder soviel Zeit vergangen ist, ohne daß man es so recht merkte. Moment, ohne daß man es merkte? Ohne daß ich es merkte? Das bedeutet ja… Mir will nicht so recht gefallen, was es bedeutet. Wenn Zeit unbemerkt vergehen kann, dann geht man achtlos mit ihr um. Und Achtlosigkeit führt – das kennt man auch von anderen Ressourcen – in aller Regel zu Verschwendung. 

Aber ist das denn schlimm? Ich bin kein großer Freund davon, alles und jedes zu rationalisieren. Das passiert in unserem Zeitalter sowieso schon allerorten. Alles wird nur noch nach dem Nutzen, den es haben könnte, bewertet. Doch mit Zeit – und insbesondere der eigenen Lebenszeit – sollte man das auf keinen Fall tun. Es sei denn, man sucht das unfehlbare Rezept für permanente Unzufriedenheit. Zeit verschwenden – das kann so schön sein. Tagträumen, müßiggehen, bummeln, nichts erreichen müssen – ab und zu braucht die Seele das. Und dann sollte man mit Zeit nicht sparen, um ihr das zu gewähren.

Eine derartige Verschwendung von Zeit kann, wenn sie bewußt geschieht, eine Bereicherung sein. Der achtlose Umgang damit führt jedoch zum genauen Gegenteil. Verschwendung aus Achtlosigkeit – das wird unweigerlich zu Verlust, aus dem wieder Unzufriedenheit resultiert; Unzufriedenheit, die sich in der Frage, wo denn nur die Zeit geblieben ist, ausdrückt. 

Nein, die Zeit verrennt nicht. Sie schreitet voran – immer im gleichen Tempo. Behauptet man, sie renne, versucht man nur, die Schuld am eigenen achtlosen Umgang mit ihr auf sie abzuwälzen. Doch ändert man nur einen Buchstaben in diesem Satz, drückt er plötzlich aus, was dann wirklich passiert: Die Zeit verrinnt. Und zwar wie Sand durch die Finger…

Silvester und Neujahr – das ist stets die Zeit der guten Vorsätze. Ich denke, dieses Mal belasse ich es bei einem einzigen. Ich nehme mir vor, achtsamer mit meiner Zeit umzugehen. Sie gleichermaßen bewußt zu nutzen und bewußt zu verschwenden – kurz: sie bewußt zu leben. Jedenfalls mehr als bisher.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein gesundes und fröhliches, vor allem aber ein bewußt gelebtes Jahr 2019. Laßt es Euch gut gehen!