FedCon XXVI - Bühne mit Leinwand

Zwischen Star Trek und Baywatch – Mein Besuch der FedCon XXVI

“Eine Durchsage für die Fahrgäste an Gleis 2! Der ICE nach Berlin Ostbahnhof hat heute 15 Minuten Verspätung! Grund ist…”

Ich höre gar nicht so genau hin. Entspannt sitze ich auf einer Bank auf dem Bahnsteig und warte auf meinen Zug. Draußen vor der Bahnhofshalle ragt der Kölner Dom in den grauen Himmel, aus dem gerade ein sommerlicher Regen herniederfällt. Auch er kann mich nicht aus der Ruhe bringen, denn das Dach der weit geschwungenen Bahnhofshalle hält ihn von mir fern. 15 Minuten. Was ist das schon. Ich hab’s nicht eilig.

Ich bin auf der Rückfahrt von Bonn nach Berlin, von der ich den kleineren Teil, die Fahrt von Bonn nach Köln, schon absolviert habe. Hinter mir liegen vier phantastisch schöne Tage. Vier Tage, die ich in anderen Welten verbracht habe. Vier Tage, die ich jetzt schon vermisse, während ich auf dieser Bank auf dem Bahnsteig am Gleis 2 sitze. Vorbei ist sie, die 26. FedCon, und der Con-Blues hat mich voll im Griff.

Doch viel Zeit bleibt mir glücklicherweise nicht, um ihm nachzugeben. Die angekündigten 15 Minuten Verspätung sind noch nicht vorbei, da fährt er ein – mein Zug. Ich steige ein, suche und finde meinen Platz, wuchte meinen Koffer hoch in die Gepäckablage und richte mich ein. Es dauert nicht lang und der Zug rollt an. Langsam gleitet vor dem Fenster der Bahnhof vorbei, der Dom, dann die große Brücke über den Rhein. Wieder beginnt es zu regnen, draußen ist alles grau. Passendes Wetter für einen Abschied. Und ich denke zurück…

Tag 1

(1. Juni 2017)

Es ist der Tag vor der Con. Anreisetag. Ich steige am Berliner Hauptbahnhof in den Zug, der mich auf die Minute pünktlich in Köln abliefert. Sieben Minuten habe ich zum Umsteigen. Fast zu wenig, denn ich stehe am Anfang eines Bahnsteigs, der voller Menschen ist. Und der nächste Abgang ist irgendwo in der Bahnsteigmitte. Dann mal los. Links, rechts, links, rechts – ich schlängle mich durch die Menschen, die alle viel mehr Zeit zu haben scheinen als ich. Hoffentlich bleibe ich mit meinem Koffer nicht irgendwo hängen. Da, endlich, die Treppe. Runter, links rum und die nächste Treppe wieder hoch. Der nächste Zug geht glücklicherweise gleich vom Nachbarbahnsteig. Auch hier ist die Treppe voller Leute. Als ich endlich oben ankomme, kommt der einfahrende Zug gerade zum Stehen. Ich steige erstmal irgendwo ein, und kurz darauf rollen wir auch schon los. Puh, das war knapp.

FedCon XXVI - Maritim-Hotel
Im Maritim-Hotel in Bonn findet die FedCon XXVI statt.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

17 Minuten später bin ich schon in Bonn. Ich steige aus und mache mich auf den Weg zur U-Bahn. Oder Straßenbahn. Das ist hier alles eins. Als ich da ankomme, steht sie schon da. Na, das klappt ja heute alles wie am Schnürchen. Ein gutes Omen, denke ich. Kurz darauf bin ich dann am Ziel: im Bonner Maritim-Hotel. Hier findet sie statt, die Con. Und hier wohne ich auch.

Als ich an der Rezeption einchecke, betritt eine Frau mit einem kecken Hütchen auf dem Kopf die Hotellobby. Sie wird lautstark von einer Gruppe Leute, die in ein paar Sesseln sitzen, begrüßt. Ich schaue zu ihr hin und erkenne sie sofort: Chase Masterson ist da! Jeder Star-Trek-Fan kennt sie als Leeta aus der Fernsehserie “Star Trek: Deep Space Nine”. Sie ist in diesem – genauso wie im vergangenen – Jahr die Mistress of Ceremonies der FedCon. Sie hier zu sehen, versetzt mich gleich in Con-Stimmung. Fast hätte ich die Aufforderung des Rezeptionisten überhört, der noch etwas Geld von mir will – für irgendeine Gebühr, die die Stadt Bonn Hotelgästen abverlangt. Echt jetzt? Hm. Ach was soll’s. Ich laß mir die Laune nicht verderben. Er kriegt seinen Obulus, ich meine Schlüsselkarte – und wenig später bin ich in meinem Zimmer im ersten Stock.

Bonn - Beethovenhaus
Das Beethoven-Haus in Bonn.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Einen ausgepackten Koffer später bin ich wieder unterwegs nach unten. Den verbleibenden Spätnachmittag und Abend will ich noch für einen kurzen Abstecher in die Bonner Innenstadt nutzen. Ein kleiner Bummel durch die ausgedehnte Fußgängerzone des Zentrums, vorbei am Beethovenhaus, ein Spaziergang über den Rhein und schließlich ein gemütliches Abendessen in einem Restaurant, das “Im Stiefel” heißt, beschließen diesen Tag. Auf dem Rückweg ins Hotel grüble ich darüber nach, ob ein solcher Name für ein Restaurant, das auch Steaks serviert, wirklich so glücklich gewählt ist… Obwohl das Steak in Ordnung war.

Tag 2

(2. Juni 2017)

Weil die Con erst mittags losgeht, schlafe ich aus. Urlaub ist doch was Schönes. Frühstücken und ein kleiner Einkauf bestreiten den Vormittag. Getränke gibt’s zwar auch im Hotel, aber die Preise sind reine Phantasie, also astronomisch hoch. Da hole ich mir doch lieber Wasser im Supermarkt. Den finde ich im Ortszentrum von Bad Godesberg, das nicht sehr weit entfernt ist.

Am Mittag bin ich dann wieder zurück im Hotel. Zuerst muß das Wichtigste erledigt werden: die Anmeldung. Anstehen muß ich dafür glücklicherweise nicht – für Goldtickets gibt es einen Extratisch. In diesem Jahr scheinen allerdings nicht soviele verkauft worden zu sein wie sonst, denn ein handgemaltes Plakat verkündet in großen Buchstaben, daß noch welche verfügbar seien. Das ist neu – zumindest habe ich Vergleichbares in den Jahren zuvor nie bemerkt. Vielleicht ist die Schmerz- bzw. obere Preisgrenze für diese Tickets, die in den letzten zehn Jahren immer wieder einmal teurer geworden sind und mittlerweile bei 700 Euro liegen, wenn man sie gleich auf der Con für das nächste Jahr kauft, nun erreicht. Für den Preis gibt es zwar einen Platz in den ersten Reihen vor der Bühne – zumindest im Hauptsaal – und von jedem anwesenden Star ein Autogramm, aber trotzdem will das Geld dafür erst einmal aufgebracht werden.

Wie dem auch sei – ich zeige mein Ticket vor, bekomme meinen Con-Ausweis und mein obligatorisches Armbändchen, das ich die nächsten Tag nicht mehr ablegen darf, sowie eine Tasche mit allerlei Zeug darin. Das meiste ist nur Werbematerial. Ich behalte nur das Con-Programmheft und den Doctor-Who-Comic. Als Goldticket-Inhaber darf ich mir am Merchandise-Stand noch eine Tasse und ein T-Shirt aussuchen und ohne weitere Kosten mitnehmen. So kommt ein Star-Trek-T-Shirt in meinen Besitz, auch wenn mir eines der diesjährigen FedCon lieber gewesen wäre. Aber das scheint es nicht zu geben – jedenfalls finde ich keines. Ist wohl der Star-Trek-Merchandise-Lizenz zum Opfer gefallen, die die FedCon seit vergangenem Jahr hat. Irgendwie schade.

Dann schaue ich mich auf dem Con-Gelände um. Im Händler-Raum gibt’s wohl alles, was das Fanherz begehrt. Und noch mehr. Bücher, Comics, Filme. Stapelweise Autogrammfotos, mit und ohne Autogramme. Hunderte von T-Shirts, dazu Action-Figuren, Sammelkarten, Poster, Modelle von Raumschiffen, Hüte, Brillen, Kostüme – und natürlich auch jede Menge Klimbim. Sich hier zu fragen, wer das denn alles kauft und warum, ist müßig. Hier laufen jede Menge Fans herum, hier findet alles dankbare und vor allem glückliche Abnehmer. Auch einschlägige Verlage, Fernsehsender, Filmstudios und -vertreiber präsentieren sich und ihr Programm. Ein Paradies für Science-Fiction-Fans aller Art.

FedCon XXVI - Bühne mit Leinwand
Die Hauptbühne der FedCon. Hier finden die meisten Panels der Schauspieler statt.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Was mich jedoch noch mehr interessiert, sind die Panels der anwesenden Schauspieler. Die Gründe, eine Convention wie die FedCon zu besuchen, sind vielfältig. Vielfach wird gesagt, den meisten Spaß an der Con mache es, andere Fans zu treffen, sein Fan-Sein auszuleben, Cosplay zu praktizieren, andere Leute kennenzulernen. Und natürlich Party zu machen. Nun, das mag für viele zutreffen. Meine Motivation ist eine andere. Für mich ist das Interessanteste an einer Con tatsächlich die Möglichkeit, die Stars zu treffen, sie live auf der Bühne zu sehen, ihnen zuzuhören, wenn sie von den Dreharbeiten, ihren Projekten erzählen, und so vieles rund um meine Lieblingsfilme, -serien und -stars zu erfahren – aus erster Hand sozusagen. Und natürlich werde ich dabei oft auch bestens unterhalten, denn unter den Schauspielern sind stets einige, an denen Komiker verloren gegangen sind. Das leben sie dann auf Conventions wie dieser aus.

Für all das nehme ich gerne die Reise in Kauf, dafür zahle ich gerne auch die nicht ganz kleinen Ticketkosten. Wo komme ich schon dazu, soviele Stars an einem Ort auf einmal zu treffen? Und meiner Autogramm-Sammelleidenschaft kann ich dabei auch noch nachgehen. Wenn es sich dann nebenbei ergibt, daß ich noch interessante Leute treffe – um so besser. Party und feuchtfröhliche Feiern bis tief in die Nacht – ach, die waren meine Sache noch nie. Und sind es auch hier eher nicht.

Und so finde ich mich alsbald im Hauptsaal ein, in dem die Panels der Stars stattfinden. An diesem ersten Tag höre ich zunächst Sasha Roiz zu, den ich aus der Serie “Grimm” kenne, dem anschließend Marina Sirtis aus “Star Trek: The Next Generation” folgt. Wer sie noch nicht auf einer Con erlebt hat, dem ist bisher definitiv etwas entgangen. Wie sie selbst sagt, ist sie das blanke Gegenteil ihrer Rolle der Counselor Troi. Ihre Panels sind legendär, in erster Linie deshalb, weil man hinterher Muskelkater vom Lachen hat, aber auch, weil sie definitiv kein Blatt vor den Mund nimmt. Wer ihr bei Twitter folgt, weiß das. Doch auf der Bühne ist sie gewissermaßen eine Naturgewalt. Hier auch nur ansatzweise etwas davon wiedergeben zu wollen, wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt, weshalb ich es gar nicht erst versuche.

Ihr folgt dann Hubert Zitt, der jedes Jahr auf der Con zwei seiner Vorträge hält, in denen er Science-Fiction-Serien und -Filme wissenschaftlich betrachtet. Das ist stets so unterhaltsam, daß mittlerweile stets der mehrere tausend Plätze umfassende Hauptsaal dafür notwendig ist, um alle Interessierten aufzunehmen.

Und dann ist es Zeit für meinen persönlichen Favoriten der diesjährigen Con: Matt Smith, der elfte Doctor Who, kommt auf die Bühne. Und was soll ich sagen – ich bin sofort begeistert. Absolut natürlich und fan-nah – sein Panel hat richtig viel Spaß gemacht. Und manches Mal meinte ich fast, der Doctor selbst stünde auf der Bühne, so nah aneinander sind Schauspieler und Rolle bei ihm.

Die Eröffnungszeremonie steht dann am Abend auf dem Programm. Klingt komisch, ist aber so. Die findet immer erst am Abend des ersten Tages statt, auch wenn vorher schon einige Panels gelaufen sind. Bis dahin sind die meisten Fans dann auch wirklich angekommen. Bei dieser Zeremonie kommen immer alle anwesenden Stars und natürlich auch die Vortragenden auf die Bühne. Viel Worte brauche ich darüber nicht zu verlieren, denn viel mehr passiert diesmal eigentlich auch nicht. Besondere Showeinlagen, wie es sie in den Vorjahren immer wieder einmal gab, sind dieses Mal offenbar nicht vorgesehen, und so gibt es auch keine. Trotzdem befeuert die “Opening Ceremony” die Vorfreude auf die nächsten drei Con-Tage.

Und damit ist mein erster Tag auch schon vorbei. Das sich anschließende Comedy-Panel mit Casper van Dien und Mark Dacascos lasse ich wegen meines mangelnden Interesses einerseits und einem starken Hungergefühl andererseits aus und widme mich lieber dem Abendessen.

Tag 3

(3. Juni 2017)

Der zweite Con-Tag ist der stressigste – zwar im positiven Sinne, aber dennoch. Zunächst einmal heißt es für mich: Aufstehen um sechs Uhr morgens. – Was? Wieso das denn? – Na, die Anmeldung für die Con im nächsten Jahr beginnt um 8 Uhr. Und weil die Plätze im Hauptsaal in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben werden, muß sich, wer einen Platz möglichst nah an der Bühne haben will, so früh wie irgend möglich anmelden. Und das gilt mittlerweile auch für die Goldtickets. Außerdem möchte ich gerne um 10 Uhr mit der Anmeldung durch sein, denn dann findet das zweite Matt-Smith-Panel statt. Das will ich nicht verpassen. – Na und? Das sind doch zwei Stunden Zeit. Das reicht doch ganz sicher. – Könnte man meinen, ja. Aber ich kenne mich mittlerweile aus und bin daher auch nicht überrascht zu sehen, daß die Schlange, als ich mich um kurz nach sieben Uhr anstelle, gut und gerne schon 150 bis 200 Leute umfaßt. Die ersten stellen sich wohl immer schon mitten in der Nacht da an…

Glücklicherweise werden, als es um 8 Uhr dann losgeht, die Gold- und Platinticket-Anmeldungen in eine eigene Schlange gelotst. Das gibt es meines Wissens auch zum ersten Mal, ist aber eine hervorragende Idee. So stehen plötzlich nicht mehr eine dreistellige Anzahl Leute vor mir, sondern nur noch etwa dreißig. Und da beide Schlangen völlig unterschiedliche Ticket-Interessen haben und sich so gegenseitig auch nichts wegnehmen, gibt’s ja auch für niemanden einen Grund, sich dadurch benachteiligt zu fühlen. Dank dieser Maßnahme bin ich um 8.20 Uhr bereits angemeldet und habe plötzlich noch viel Zeit bis zu Matt Smiths Panel.

FedCon XXVI - Tardis
Die Tardis des Doktors auf der Hauptbühne der FedCon. Und der Doktor selbst war auch da.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Als es dann soweit ist, ist es großartig. Ein Fan stellt eine Frage, die Matt bereits gestern einmal gestellt wurde. Er weist darauf hin. Als der Fragesteller sich entschuldigt, weil gestern noch nicht dagewesen sei, berichtigt ihn Matt. Nicht der Fan, sondern er habe sich zu entschuldigen, weil er gestern bereits dagewesen sei, so daß der Fragesteller ihn nicht erleben konnte. Und er beantwortet die Frage noch mal. Sehr charmant.

Vom nachfolgenden zweiten Vortrag Hubert Zitts entgeht mir der Anfang. Ich muß erst mal ein Autogramm von David Hasselhoff holen, dessen außerordentliche Autogrammstunde gerade eben angekündigt wurde. Glücklicherweise bin ich gleich unter den ersten, die anstehen und so schon nach zehn Minuten im Besitz meines Autogramms. Also schnell zurück zum Vortrag. Und der ist auch wieder toll. Es geht um Star Wars und die darin vorkommende Technik. Ist zwar nicht gerade mein Lieblingsfranchise, aber der Vortrag ist trotzdem unterhaltsam für mich. Danach muß ich leider aus dem Hauptsaal raus und mich in die nächste Autogrammschlange einreihen – diesmal für Matt Smith. Die wird in einen langen Hotelflur der ersten Wohnetage geleitet. Die Hotelgäste, die ihr Zimmer verlassen wollen, stehen also plötzlich in einer riesigen Menschenmenge, die vor ihren Zimmern herumlungert und den Flur entlang ansteht. Und Lärm macht. Natürlich. Da vermutlich aber sowieso fast nur Congäste im Hotel wohnen, gibt es damit wohl keine Probleme. Als aber mehr und mehr Fans eintrudeln und das Fassungsvermögen des Flurs nicht mehr ausreicht, beginnt eine kleine Umzugsaktion zumindest für den ersten Teil der Schlange. Hier merkt man allerdings, daß sich ziemlich viele Con-Veteranen unter den Fans befinden, denn alles geht geordnet vor sich und die in der Schlange Stehenden helfen sogar noch dem Conpersonal bei der Einweisung von Neuankömmlingen. Alle sind ziemlich entspannt, sogar dann, als sich der Beginn der Autogrammstunde auch noch um eine gute halbe Stunde verzögert.

Schließlich geht’s aber los, und weil ich’s erneut glücklich geschafft habe, ziemlich weit vorne zu stehen, bin ich auch alsbald dran. Als ich mein Autogramm hab, muß ich mich ziemlich beeilen, denn schon ist die Zeit ran für den Treffpunkt der Goldticket-Inhaber zur offiziellen Autogrammstunde mit allen anderen Stars. Als ich dort eintreffe und meine Unterlagen ordne, stelle ich mit Schrecken fest, daß ich den Zettel mit den Autogrammgutscheinen offenbar verloren habe. Weil jedes Goldticket ein Autogramm jedes anwesenden Stars einschließt, erhält man bei der Anmeldung einen solchen Zettel, auf dem der Name jedes Stars steht. Darauf werden dann die Namen der Schauspieler, deren Autogramm man sich holt, abgestrichen. Bei Matt Smiths Autogrammstunde hatte ich den Zettel eben noch vorgelegt, jetzt ist er aber weg. In Anbetracht der Tatsache, daß dieser kleine Zettel mehrere Hundert Euro wert ist und ich ohne ihn die Autogramme nicht bekommen werde, ist mir nun doch etwas flau im Magen.

Ich hetze zurück. Nein, bei Matt Smith ist der Zettel nicht liegengeblieben. Also weiter ins Con-Büro. Dort trage ich mein Mißgeschick vor und man reagiert sehr hilfsbereit. Ich soll zunächst zum Infostand gehen und nachfragen, ob jemand den Zettel dort vielleicht abgegeben hat. Falls nicht, soll ich wiederkommen. Dann würde sich schon eine Lösung finden, verspricht man mir. Ich laufe, so schnell es geht, zu besagtem Infostand und frage ohne viel Hoffnung nach. Hm, meint die Dame, sie schaue mal nach. Sie kramt in diversen Kästen, und als sie sich wieder umdreht, fragt sie mich, ob ich von dem Zettel schon Autogramme geholt hätte. Ich bejahe und sage ihr, welche. Daraufhin streckt sie mir – ich traue meinen Augen kaum – den Zettel entgegen. Wir vergleichen noch die darauf stehende Ticketnummer mit meinem Con-Ausweis und dann habe ich das gute Stück doch tatsächlich wieder in meinen Händen. Gibt’s sowas? Hätte ich den Glauben an die Menschheit endgültig verloren, jetzt würde ich wohl ein Stück davon wiederfinden. Ich danke hiermit ausdrücklich dem unbekannten ehrlichen Finder – oder der ebensolchen Finderin! Er oder sie hat mir sowohl die Autogramme als auch den Tag als auch die ganze Con gerettet.

Als ich ziemlich abgehetzt wieder am Treffpunkt für die Autogrammstunde ankomme, bin ich immer noch zugleich fassungslos und dankbar über soviel Glück. Die Umstehenden, die mein Mißgeschick mitbekommen hatten, beglückwünschen mich herzlich, und dann geht es auch schon los. Ich hole mir alle Autogramme, was bedeutet, sich bei jedem Star einmal anstellen zu müssen. Darüber vergeht der Nachmittag. Glücklich und zufrieden verlasse ich den Saal. Nun ist alles erledigt und ich kann das Folgende einfach nur noch auf mich zukommen lassen.

FedCon XXVI - Enterprise
Die Enterprise der Next-Generation-Crew war natürlich auch da.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Da die Con ganz im Zeichen des 30. Geburtstags der Serie “Star Trek: The Next Generation” steht, folgen drei weitere Panels von Schauspielern, die in dieser Serie mitspielten: John de Lancie, Michael Dorn und Colm Meaney. Wobei letzterer in dieser Serie eigentlich nur eine Nebenrolle hatte, die erst in der nachfolgenden Serie “Star Trek: Deep Space Nine” zur Hauptrolle wurde. Auf Colm Meaney hatte ich schon seit meiner ersten FedCon gewartet, die, nebenbei bemerkt, die zehnte war. Jetzt, bei der 26., ist es endlich soweit. Er war mittlerweile der einzige Hauptdarsteller einer Star-Trek-Serie, den ich noch nie gesehen hatte (sieht man einmal von jenen ab, die leider nicht mehr unter uns weilen). Ich bin also dementsprechend glücklich und zufrieden.

Den Abschluß des Tages bildet dann für mich das Panel von David Hasselhoff. Warum er auf dieser Con ist und dann quasi auch noch als Stargast, hat sich mir im Vorfeld nicht so ganz erschlossen. Seine Rolle in “Guardians of the Galaxy 2” ging über einen Cameo-Auftritt nicht hinaus und “Knight Rider” ist eigentlich nur im allerweitesten Sinne eine Science-Fiction-Serie. Es gibt darin halt ein sprechendes Auto – in den Achtzigern. Aber reicht das, um als Science Fiction durchzugehen? Egal. Wie ich nun erfahre, hat er früher mal in einem Science-Fiction-Film mitgespielt, dessen Titel ich vergessen habe. Auf ihn angesprochen, bezeichnet er ihn als sehr schlechten Film und will von dem Fragesteller wissen, warum er sich den denn angesehen habe. Damit beweist Hasselhoff eine Selbstironie, die ich ihm gar nicht zugetraut hatte. Insgesamt bin ich von ihm angenehm überrascht. Ich weiß nicht, was ich genau erwartet hatte, aber einen derart aufgeräumten und sich selbst nicht zu ernst nehmenden The Hoff bestimmt nicht, auch wenn hin und wieder eine Spur übertriebenes Selbstbewußtsein durchschimmert und sein immerzu wiederholter Hinweis auf seine Comedy-Show “Hoff the Record” irgendwann etwas nervt. Trotzdem ist er insgesamt sehr unterhaltsam.

Tag 4

(4. Juni 2017)

An diesem Tag schlafe ich wieder aus. Er beginnt mit dem zweiten Teil der Autogrammstunde, wo ich ja nicht mehr hinmuß. Die vormittags laufenden Vorträge und Lesungen liegen nicht so auf meiner Linie – die, die es im Laufe der Con getan hätten, fanden leider immer gerade statt, wenn Schaupieler-Panels liefen, die ich unbedingt sehen wollte. Nun, alles kann man eben nicht haben.

So beginne ich den Tag erst mittags mit dem Panel von Chase Masterson. Als Mistress of Ceremonies finde ich sie wirklich zauberhaft. Überhaupt nicht marktschreierisch, moderiert sie sehr liebenswürdig. Pannen scheinen ihr wirklich nahezugehen, auch wenn die niemand übelnimmt. Sie ist sicher keine Moderatorin, die die Massen im Saal animiert und dadurch anheizt, aber mir gefällt gerade das sehr gut. Wenn jeder Gast und jedes Bühnenereignis angekündigt wird, als bekäme ich jetzt das Jahrhundertereignis schlechthin zu sehen, ist das nicht nur nach kurzer Zeit ermüdend, sondern auch dämlich. Schön also, daß Chase genau das nicht zur Grundlage ihrer Anmoderationen macht. Statt dessen liefert sie darin immer ein paar interessante Informationen über den angekündigten Gast, was mir schon allein deshalb besonders gefällt, weil sich die Convention-Macher diese im aktuellen Programmheft einfach mal gespart haben. Bis zum vergangenen Jahr gab es die dort immer auch zum Nachlesen.

In ihrem Panel erzählt Chase von ihrer Rolle und der Zeit bei der Serie “Star Trek: Deep Space Nine”, stellt die von ihr begründete Pop Culture Hero Coalition vor, mit der sie gegen Mobbing an Schulen vorgehen möchte und die ihr sehr am Herzen liegt, und singt auch ein paar sehr schöne Songs.

Jenna Coleman, die die Begleiterin des elften Doctor Who spielte, ist nach der Autogrammstunde im Hauptsaal auf der Bühne und mir ebenfalls sehr sympathisch. Leider mußte Matt Smith schon vorzeitig abreisen, so daß es nicht zu einem gemeinsamen Panel der beiden kommt. Das hätte ich sehr schön gefunden. Jenna wirkt ein wenig abgehetzt und müde – auch sie ist, wohl wegen anderer Verpflichtungen, nur zwei Tage auf der Con -, doch das tut ihrem Panel keinen Abbruch, in dem sie auf mich einen sehr netten und sehr freundlichen Eindruck macht.

Dann ist wieder Next-Generation-Zeit. Gates McFadden, Colm Meaney und Marina Sirtis kommen nacheinander auf die Bühne. Letztere erzählt, daß sie vor der letzten US-Wahl zu ihrem Mann gesagt habe, wenn Trump gewählt würde, müßten sie nach Großbritannien, wo sie geboren ist, umziehen. Als er gefragt habe, warum, habe sie gesagt, sie wolle nicht in einem Land voller Dummköpfe leben. Dann sei Trump gewählt worden, und sie habe schon überlegt, ihre Aussage wahrzumachen. Doch dann sei der Brexit gekommen…

Im anschließenden zweiten Panel David Hasselhoffs wird dieser von einem Fan gebeten, “I’ve been looking for freedom” einmal vollständig zu singen. Bisher war es bei jedem seiner Auftritte immer nur kurz als Auftrittsmusik eingespielt und dann ausgeblendet worden. Er macht das ganz offensichtlich gerne – und der Saal kocht. Laut mitklatschend singen die meisten lauthals mit.

Aber dann ist es Zeit für den wahren Höhepunkt des Tages: Das gemeinsame Panel aller sechs anwesenden Next-Generation-Darsteller: Gates McFadden, Michael Dorn, Marina Sirtis, LeVar Burton, Denise Crosby und John de Lancie. Es ist ein Fest! Am Ende können sich weder die Schauspieler auf der Bühne noch das Publikum im Saal vor Lachen halten, insbesondere als sie nach ihren Tricks, bestimmte Gefühle darzustellen, gefragt werden und John de Lancie eine Story vom Stapel läßt, wie er einst vom Drehbuch aufgefordert wurde, beim Blick auf eine Schauspielkollegin “smitten with love” zu sein, aber nicht gewußt habe, wie er das darstellen solle. Er habe dann eine Hand in die Hosentasche gesteckt, mit den Fingern ein Loch hineingerissen und dann… der Rest ist nicht so ganz jugendfrei, aber danach sei er auf jeden Fall “smitten with love” gewesen. Wäre Platz gewesen, hätten jetzt alle im Saal vor Lachen auf dem Boden gelegen. So krümmen wir uns nur lachend auf unseren Stühlen.

Der anschließende Kostümwettbewerb ist schon wieder der letzte Teil des Tages. Es sind einige sehr sehr schöne Kostüme dabei, die von ihren Trägern zu recht mit Stolz vorgeführt werden, haben sie sie doch zum größten Teil auch selbst gefertigt. Die vielen Stunden Handarbeit haben sich jedenfalls ausgezahlt – man sieht sie den oftmals perfekten Kostümen an.

Die Preisvergabe durch die Jury empfinde ich jedoch als Enttäuschung, denn den ersten Preis gewinnt mit einer Mischung aus Star-Wars-Stormtrouper und Karnevalsclown ein reines Spaßkostüm, das mit einigen der anderen hinsichtlich Perfektion, Detailliebe und Ästhetik für mein Empfinden wirklich nicht mal ansatzweise mithalten kann. Und wie aus dem Gespräch mit dem Kostümträger hervorgeht, hat er große Teile seines Kostüms auch nicht selbst hergestellt. Zugegeben, der Auftritt mit Buddies im Borat-Stil war der bei weitem witzigste, aber das allein reicht mir nicht. Nun, die Jury sieht das anders und so trägt heute Trash über Qualität den Sieg davon.

Tag 5

(5. Juni 2017)

Gates McFadden und Michael Dorn eröffnen in einem Doppelpanel den Tag. Ihnen folgt Denise Crosby in ihrem leider einzigen Solo-Panel. Es ist dafür um so interessanter, erzählt sie doch die Geschichte ihres frühen Ausstiegs aus der Serie “Star Trek: The Next Generation” und wie es kam, daß sie später ihre Rolle doch noch einmal aufnahm und sich daraus weitere Gastauftritte entwickelten.

LeVar Burton ist danach sichtlich schockiert, als er von einem Fan erfährt, daß es im Internet von Fans geschriebene Geschichten gebe, die seinen Charakter Geordie LaForge mit Data in eine romantische Beziehung bringen. Als er gefragt wird, wie er das finde und ob er solche Stories gerne verhindern würde, meint er, daß er es schön fände, wenn die Figuren aus der Serie bei den Fans weiterleben würden und diese ihre Phantasie spielen ließen. Er sei nicht zum Richter darüber bestellt, ob das, was daraus entstünde, nun gut oder schlecht sei. Das sollen mal die Leser entscheiden.

Das Ende der Con wird dann mit der Abschlußveranstaltung eingeläutet. Die Closing Ceremony beginnt mit einem sehr schönen Lied von Chase Masterson, gefolgt von einem Versuch eines Fans, mit einer auf die FedCon umgedichteten Version von “I’ve been looking for freedom” für Stimmung zu sorgen. Leider ist der Vortrag nicht gelungen genug, um diese aufkommen zu lassen. Nun, manchmal gehen Dinge auf Cons eben auch schief. Was aber dennoch zählt, ist der Mut, es versucht zu haben. Und Mut gehört für einen Auftritt vor wenigstens zweitausend Fans auf jeden Fall dazu.

Als am Ende alle Vortragenden und Darsteller noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen und sich verabschieden, wird endgültig klar, daß die vier Tage Con nun unweigerlich zu Ende gehen. Und bei der abschließenden kleinen Fotoshow mit Eindrücken dieser vier Tage kommt dann schon erste Wehmut auf. Nun dauert es wieder ein ganzes Jahr bis zur nächsten FedCon.

Ich verbringe den sonnigen Abend mit einem ruhigen Spaziergang und einem gemütlichen Abendessen in der Bonner Innenstadt. Nach den vielen bunten Eindrücken und dem ganzen Trubel der Con erscheint mir das als passendes Ende.

Epilog

Mein Zug ist nun kurz vor Berlin. Das Wetter hat sich die gesamte Fahrt über nicht wirklich geändert. Der Himmel blieb meist grau und manchmal war der immer mal wieder einsetzende Regen so stark, daß ich vor den Fenstern nicht mehr viel erkennen konnte. Doch nun, während ich dies schreibe, stiehlt sich ein Sonnenstrahl verschämt durch die Wolken und durch mein Zugfenster herein. Vielleicht will er mich daran erinnern, daß nach der Con auch immer vor der Con ist. Wenn ich es mir recht überlege, hat er damit wirklich recht, und so sage ich dem Con-Blues Lebewohl und widme mich der ersten Vorfreude… auf die kommende 27. FedCon 2018. Sind ja nur noch reichlich 340 Tage oder so.

LLAP.

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