Am Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal

An der Mauer entlang

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 4 der Beitragsserie "Grüner Hauptweg Nr. 19"

Nach der ersten Etappe auf dem Grünen Hauptweg Nummer 19 neugierig geworden, wie es denn weitergeht, entschloß ich mich, den heutigen Feiertag zu nutzen, um – keine Himmelfahrt und auch keine Bollerwagentour zu unternehmen, sondern die Wanderung fortzusetzen. Am Spreebogen geht es heute los – genau dort, wo der vorangegangene Abschnitt geendet hatte.

Auf dem Marie-Elisabeth-Lüders-Steg
Ein Blick zum Hauptbahnhof vom Marie-Elisabeth-Lüders-Steg über der Spree.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Und so steige ich hinauf auf den Marie-Elisabeth-Lüders-Steg, wo die ersten Fotos mitten über der Spree entstehen. Sonne war versprochen worden, doch die läßt sich nicht blicken, versteckt sich hinter dicken, recht grauen Wolken. Dazu weht mir ein doch recht kühler Wind um die Nase. Für eine Stadtwanderung ist das aber durchaus angenehmes Wetter. Solange es nicht regnet. Doch das steht heute glücklicherweise nicht auf dem Programm.

Weiter geht es an der Spree entlang bis kurz vor den Hauptbahnhof, wo der Weg auf das Alexanderufer abbiegt – eine Straße, die mir irgendwie sympatisch ist. Humboldthafen, Charité, Hamburger Bahnhof, Hauptbahnhof – bereits hier gibt es eine Menge zu sehen.

Das Grabmal von Julius von Verdy du Vernois
Auf dem Invalidenfriedhof steht dieses Grabmal von Julius von Verdy du Vernois, der einst preußischer Staats- und Kriegsminister war.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Hinter der Invalidenstraße führt mich der Weg dann ein Stück am Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal entlang. Er folgt dem ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer und quert den Invalidenfriedhof. Es ist der erste von vier Friedhöfen, an denen ich heute vorbeikomme – und sie alle haben eines gemeinsam: ihnen wurde ein nicht geringer Teil ihrer Fläche durch den Mauerstreifen entrissen, die darin liegenden Gräber wurden damals einfach planiert. Die Wunden in den stillen Arealen sind heute noch überdeutlich zu erkennen.

Weiter nördlich erreiche ich die Mündung der Panke. Der Weg biegt hier vom Kanal nach rechts ab und folgt weiter dem Mauerstreifen. Über die Chausseestraße geht es in die Liesenstraße, wo ich mir einen Abstecher auf den Friedhof II der Französisch-Reformierten Gemeinde erlaube, um die Grabstätte Theodor Fontanes aufzusuchen. Gleich in der Nähe entdecke ich auch das Grab des Dichters Peter Hacks. Einige seiner Kinderbücher haben mir meine Kindheit verschönert.

Der Park auf dem ehemaligen Bahngelände des Nordbahnhofs ist eine stille Oase inmitten der Stadt. Der Frühling zaubert bunte Blüten an Bäume und Sträucher. Hin und wieder tauchen aus der Erde alte Gleise auf. Eine ferne Erinnerung an die Hochzeit der Eisenbahn in Berlin.

Am Ende des Parks, dort, wo einst das Bahnhofsgebäude stand und heute nur noch die S-Bahn hält – was man aber nicht sieht, weil sie es vorzieht, sich unter der Erde aufzuhalten -, biegt der Weg in die Bernauer Straße. Hier, an der Gedenkstätte Berliner Mauer stürzt er mich in den Menschentrubel, denn zum einen ist diese ein Touristenmagnet, zum anderen ist gerade evangelischer Kirchentag in Berlin. Seit ich das letzte Mal hier war, ist die Gedenkstätte ganz schön ausgebaut worden. Sie zieht sich jetzt die ganze Bernauer Straße entlang. Ich mache mir im Geiste eine Notiz, ihrer Besichtigung bei Gelegenheit mal einen Tag zu widmen.

In der Oderberger Straße
Bunte Fassaden säumen die Oderberger Straße mit ihren zahlreichen Cafés und Restaurants.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Heute wandere ich nur die Bernauer Straße entlang, bis sie den Mauerpark erreicht. Der ehemalige Mauerstreifen und mit ihm der Mauerweg biegen hier links nach Norden ab, während mein Grüner Hauptweg Nummer 19 rechts der Oderberger Straße folgt, die, gesäumt von bunten Fassaden sanierter Altbauten, voller Cafés und Restaurants ist, die sich auf beiden Seiten aneinanderreihen. Und hier läßt sich endlich auch die Sonne blicken und sorgt so für ein beinahe sommerliches Ambiente.

Hinter der Kastanienallee komme ich am alten Stadtbad vorbei und bin kurz danach auch schon auf der Schönhauser Allee, wo die U-Bahn den dunklen Schlund ihres Tunnels verläßt und der Höhe ihres Viaduktes entgegenstrebt. An der Straßenecke erhebt sich der Turm der alten Schultheiß-Brauerei, die es längst nicht mehr gibt. Heute wird hier Kultur zusammengebraut.

An dieser Stelle ist meine Wanderung für heute zu Ende. Runde 10 Kilometer reichen. Die nächste Etappe will mir ja sicher auch noch was zeigen.

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