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Von Berlin nach Auckland

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 9 der Beitragsserie "Reise nach Neuseeland & Singapur"
Wie ich von Berlin über Singapur nach Auckland reiste

Es war im Februar des Jahres 2015, als das Fernweh wieder einmal die Oberhand bekam und ich ihm nicht länger widerstehen konnte, so daß ich mich gemeinsam mit einem Freund auf den Weg machte – auf den Weg hinaus in die weite Welt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn dieses Mal ging es nicht einfach nur in die Weite. Nein. Dieses Mal hatten wir uns nichts weniger vorgenommen als das andere Ende der Welt. Genauer gesagt, zog es uns nach Aotearoa – ein Land, von dem man sagt, daß es entstanden sei, als Gott, nachdem er mit der Erschaffung der Welt fertig war, beschloß, noch ein weiteres Fleckchen Erde zu formen. Eines, das besonders schön werden sollte. Also nahm er von den wunderbarsten Orten der Welt je ein Stück und fügte alle diese Fragmente zusammen… Herausgekommen ist Aotearoa, auch bekannt als Neuseeland.

Nun, von den Māori-Legenden über die Entstehung dieses schönen Fleckchens Erde dürfte diese Geschichte wohl bedeutend abweichen. Für mich war sie aber insofern von großer Bedeutung, als ich schon so viel über die Schönheit dieses Landes gehört hatte, daß ich es mir unbedingt selbst einmal ansehen wollte. Also machte ich mich – machten wir uns – auf, es einmal zu besuchen. Was wir dort zu sehen bekamen und erlebten, davon will ich hier berichten. Denn – soviel darf ich wohl an dieser Stelle bereits verraten – ich wurde in meinen Erwartungen absolut nicht enttäuscht.

Der Abend vor der Abreise
Zwei Rucksäcke – ein großer und ein kleiner – kamen mit auf die Reise. Immerhin sollte die mehr als vier Wochen dauern.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015)
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Alles beginnt, wie sollte es auch anders sein, schon Wochen vorher mit zahllosen Reisevorbereitungen, von denen das Packen der auf die Reise mitzunehmenden Sachen die allerletzte ist. Das Buchen der Flüge war schon Monate vorher vonstattengegangen. Später folgte unter anderem das Besorgen ärztlicher Atteste für mitzuführende Medikamente – bei Reisen über Singapur weiß man ja nie. Dort steht auf Drogenhandel die Todesstrafe. Nun habe ich keineswegs vor, dieser Betätigung nachzugehen, doch ich muß aus gewissen Gründen einige benötigte Medikamente mitführen. Diese sind zwar nun keine Drogen, doch wer will sich am Flughafen schon auf entsprechende Diskussionen einlassen, wenn das Gepäck doch einmal kontrolliert wird und die Medikamente dort nicht bekannt sind? Daher gehe ich lieber auf Nummer sicher und habe mir für alles, was ich mitführen will, eine ärztliche Bescheinigung ausstellen lassen.

Reiseführer kaufen, sich mit geeignetem, robustem Schuhwerk für alle Wetter- und Bodenlagen ausstatten, einen Steckdosenadapter besorgen – das sind nur einige der weiteren Vorbereitungen, die ich im Laufe der Monate vor der Reise getroffen hatte, die aber auch die Vorfreude Stück für Stück steigerten, bis ich es schließlich kaum noch erwarten kann, daß es endlich losgeht. Punkt für Punkt hatte ich meine Vorbereitungsliste abgearbeitet.

Und dann ist er da – der Abend vor der Abreise. Alles ist bereit, wie das Foto vom gepackten und in den sprichwörtlichen Startlöchern stehenden Rucksack dokumentiert. Mit Mühe schlafe ich noch ein paar Stunden, denn erfahrungsgemäß wird mir das im Flugzeug nicht gelingen.

Am Morgen des 15. Februar 2015 geht es dann mit dem TXL-Bus zum Flughafen Tegel. (Ja, der war damals noch in Betrieb!) Dort angekommen, verpacken wir die Rucksäcke in eigens dafür erworbene Hüllen, damit sie beim Transport keinen Schaden nehmen. Die vielen Schnüre und Riemen sollen sich schließlich nirgendwo verfangen… Dann heißt es, sich in die Schlange am Check-In-Schalter stellen und – warten. Langsam vorrücken. Wieder warten. Den Rucksack ein Stück vorschieben. Und weiter warten. Dann sind wir endlich an der Reihe. Rucksack auf’s Band, Reisepaß vorzeigen, in Augenschein genommen werden, ja, alles ok. Bitteschön, hier ist Ihr Ticket, guten Flug. Danke. Wiedersehen.

Weiter geht’s. Nächste Station: Personenkontrolle. Alles Metallische ablegen, in eine Schale packen, Handgepäck dazulegen und zum Durchleuchten geben. Ich selbst trete durch den Personenscanner. Natürlich jault der auf. Tja, die Metallösen kann ich nun wirklich nicht von meinen Schuhen entfernen. Jedenfalls nicht, ohne sie komplett zu zerstören. Und dazu bin ich nun wirklich nicht bereit. Glücklicherweise muß ich das auch nicht. Alsbald gleitet der Handscanner vor mir auf und ab. Ok, es sind wohl wirklich nur die Schuhe. Ausziehen, bitte! Oh Mann, die nehmen es aber genau. Also aufschnüren, ausziehen, nochmal auf Strümpfen scannen lassen. Ja, es sind wirklich die Schuhe, die den Scanner so erregen. Danke, das war’s. Sie können sich wieder anziehen.

Dann habe ich’s hinter mir. Ich lege alles Abgelegte wieder an, packe meine Siebensachen zusammen und gehe auf die Suche nach einem Sitzplatz im Warteraum am Gate. Halt, Ticket nicht vergessen. Das liegt noch in der Schale.

So, endlich sitzen. Aber nicht lange, denn der Flug geht erfreulicherweise pünktlich. Noch einmal wird das Ticket kontrolliert, wir gehen durch den Korridor zum Flugzeug und suchen unsere Plätze. Ein Fensterplatz ist dabei, wie schön.

Über den Wolken
Über den Wolken strahlt die Sonne in grenzenloser Weite. Durch ein Loch in der Wolkendecke ist eine bergige Landschaft zu sehen.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015)
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Unser Flugzeug setzt sich pünktlich in Bewegung, rollt zur Startbahn, beschleunigt und hebt ab. Jetzt sind wir wirklich unterwegs. So langsam wird’s wirklich real. Als wir kurz darauf in die dichte Wolkendecke eintauchen, ist draußen erstmal gar nichts mehr zu sehen. Ein paar Augenblicke später ist die Nebelwand, die wir vor dem Fenster zu haben schienen, verschwunden und die Sonne strahlt aus einem blauen Morgenhimmel zum Fenster herein. Unter uns sinkt die Wolkendecke immer tiefer. Bis zum Horizont ist sie völlig blickdicht, so daß von der Erde gar nichts zu sehen ist. Doch auch so ist der Ausblick interessant genug. Mal scheinen wir eine Daunendecke unter uns zu haben, dann bilden die Wolken eine völlig plane Ebene. Wenig später meint man, eine Eislandschaft unter sich zu sehen. Ein faszinierender Anblick. Schließlich reißt die Wolkendecke doch noch ein wenig auf und wir blicken auf die Erde hinab.

Als wir nach etwa fünfzig Minuten Flugzeit in Frankfurt am Main landen, ist es heller Tag. Wir haben zwei Stunden Aufenthalt und damit genug Zeit, zum Gate unseres Anschlußfluges zu gelangen. Dort angekommen, suchen wir uns zwei Plätze und laden unser Handgepäck ab. Dann besichtigen wir schon mal unser Flugzeug. Einen A 380 sieht man ja schließlich auch nicht alle Tage. Und was soll ich sagen: ein ganz schönes Geschoß ist dieser Airbus der Singapore Airlines. Wenn man ihn sich so ansieht, so schwer und massiv, möchte man kaum glauben, daß dieses Flugzeug in der Lage sein soll, sich auch nur einen halben Meter vom Boden zu erheben.

Wie wir kurz darauf erfahren, müssen wir auf den Beweis, daß es das ganz ohne Probleme schafft, etwa zwei Stunden länger warten als geplant. Unsere Maschine ist aus New York mit Verspätung eingetroffen, was uns einen verlängerten Aufenthalt im Warteraum am Gate verschafft. Damit uns der nicht langweilig wird, hat sich das Personal etwas Besonderes für uns einfallen lassen. Während wir auf unseren Plätzen sitzen, die wir nach der kurzen Flugzeugbesichtigung wieder eingenommen haben, und uns unterhalten, höre ich von irgendwo plötzlich meinen Namen. Ich schaue mich um, kann aber nicht ausmachen, von wo. Gerade will ich mich wieder unserem Gespräch widmen, da höre ich ihn erneut. Eine Lautsprecherdurchsage bittet mich namentlich an einen der Schalter zwecks Klärung einer Formalität. Als wir dort eintreffen, müssen wir noch ein bißchen Schlangestehen, denn ich bin nicht der Einzige, den sie hier näher kennenlernen möchten. Also warten wir, bis uns einer der Beamten am Schalter zu sich winkt. Wir sind gespannt, was er will. Er läßt uns darüber auch nicht lange im Unklaren.

Nach Prüfung unserer Unterlagen ist ihm unsere Reiseplanung nicht geheuer. Ob es richtig sei, daß wir nach Auckland fliegen?
Wir bejahen.
Wir hätten aber keinen Rückflug gebucht.
Doch, aber von Christchurch.
Glücklicherweise habe ich unsere gesamte Flugplanung ausgedruckt und im Handgepäck dabei. Ich zeige sie ihm.
Er scheint weiterhin beunruhigt. Wir hätten doch aber gar keinen Flug von Auckland nach Christchurch gebucht.
Wir schauen uns an, nun unsererseits verwirrt. Warum ist das ein Problem?
Wie wir denn dann von Auckland nach Christchurch gelangen wollen, will er von uns wissen.
Meint er das ernst?
Offenbar ja. Also setzen wir ihm auseinander, daß wir auf einer Urlaubsreise sind, während der wir Neuseeland durchstreifen wollen. Ganze vier Wochen lang. Von Christchurch würden wir dann zurückfliegen.
Soso. Er ist noch nicht zufrieden. Es sei aber doch kein Flug in unserer Buchung vermerkt, der von Auckland nach Christchurch führe.
Richtig. Weil wir Neuseeland auch auf dem Land- und Seeweg durchstreifen wollen.
Es ist kompliziert.
Ob wir da was gebucht hätten.
Nein, eine genaue Planung oder Buchung haben wir dafür nicht. Wir sind quasi Rucksacktouristen. Ist das wirklich so schwer vorstellbar?
Es scheint so, denn er will es noch genauer wissen.
Wie wir denn den Weg genau zurücklegen wollen?
So langsam verliere ich die Geduld.
Per Bus, Bahn und Schiff! Vielleicht auch oder.

Die Diskussion zieht sich noch ein wenig, bis er und sein Kollege, den er zwischendurch noch hinzuzieht, unseren Versicherungen schließlich Glauben schenken, daß wir nicht vorhaben, in Neuseeland zu bleiben. Am Ende sind wir für die Verspätung unseres Fluges fast dankbar, denn ohne sie hätten wir ihn nach dieser Debatte am Ende vielleicht noch verpaßt.

So aber können wir schließlich einsteigen und unsere Plätze einnehmen. Wir haben wohlweislich Gangplätze gebucht, denn bei einem zwölf Stunden dauernden Flug ist Beinfreiheit um vieles mehr wert als ein Fensterplatz. Ich habe überdies das Glück, daß der Sitz neben mir freibleibt, so daß ich mehr als genug Platz habe und sogar meine Beine hochlegen kann. Beschäftigung gibt es genug, denn jeder Sitzplatz verfügt über einen eigenen Bildschirm, über den eine reichhaltige Film- und Musikbibliothek zugänglich sind. Auch Videospiele stehen zur Verfügung. Außerdem erhalten wir während des Fluges zwei Mahlzeiten, die jede auch einiges an Zeit beanspruchen. Dennoch sind zwölf Stunden nicht leicht herumzubringen, wenn man die ganze Zeit an seinem Platz sitzen muß und außer Medienkonsum nicht wirklich etwas zu tun hat.

Airbus A 380 am Flughafen Frankfurt/Main
Vor dem Start wird unser A 380 mit allerlei Dingen beladen, unter anderem unserem Gepäck und – ganz wichtig – leckerem Essen. Wer lange fliegt, muß schließlich auch essen.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015)
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Der Tag neigt sich dem Ende und vor den Fenstern wird es dunkel. Das Licht im Flugzeug wird gedimmt und die meisten Fluggäste richten sich zum Schlafen ein. Mir ist das allerdings nicht vergönnt, weil ich im Sitzen nicht wirklich schlafen kann. So vertreibe ich mir die Zeit mit Filmen, Musik und Lesen. Nachdem ich mir drei Filme am Stück angesehen habe, kann ich keine bewegten Bilder mehr sehen. Sind wir nicht bald da? Ich schaue auf die Uhr. Knapp fünf Stunden sind vorbei. Das ist ja noch nicht einmal die Hälfte der Flugzeit! Oh Mann. Glücklicherweise darf man – in gewissen Grenzen – im Flugzeug herumlaufen. Weil aber alle schlafen, muß man das sehr leise und vorsichtig tun. Jetzt schätze ich meinen Gangplatz ganz besonders. Ich muß dafür niemanden hochscheuchen…

Den Rest der Zeit vertreibe ich mir mit Musik und Lesen, und schließlich doch noch ein oder zwei Filmen. Was will man machen… Die Stewardessen – ja, auf unserem Flug gibt es ausschließlich Stewardessen – sind nicht nur sehr bemüht, uns Fluggästen die Reisezeit so angenehm wie möglich zu machen, sie sind darin auch überaus erfolgreich. Keine Frage ist den jederzeit und zu jedermann freundlichen Damen zuviel, egal zu welcher nächtlichen Stunde sie auch gestellt wird. Kein Wunsch ist unpassend, er wird sofort erfüllt, wenn das nur irgendwie möglich ist. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben.

Weil unser Flug in Richtung Osten geht, fliegen wir der Nacht oder der Sonne entgegen, wie man will. Aus diesem Grund fällt die Nacht mit reichlich sechs Stunden kürzer als gewöhnlich aus. Als vor den Fenstern der Tag anbricht, haben wir den Changi-Airport Singapur, unseren zweiten Zwischenstop, erreicht.

Nach so einem langen Flug erliegt man schnell der Illusion, man habe mit dem Erreichen von Singapur den größten Teil der Reise bereits hinter sich und von hier aus sei es ja nicht mehr so weit. Hält man sich jedoch vor Augen, daß man sich in Singapur immer noch auf der Nordhalbkugel befindet und die Flugzeit nach Auckland von hier aus weitere zehn Stunden beträgt, wird einem der Irrtum schnell bewußt. Glücklicherweise haben wir uns das bereits bei unserer Reiseplanung überlegt und wohlweislich beschlossen, nicht unverzüglich weiterzufliegen. Nach Singapur einreisen wollen wir jedoch auch nicht – die Zoll- und Einreiseformalitäten sind durchaus umfangreich, so daß wir sie für unseren Aufenthalt zwischen den Flügen nicht auf uns nehmen wollen. Doch der Changi-Airport ist nicht erst seit gestern das bedeutendste Luftfahrt-Drehkreuz in dieser Region der Welt. Auf Leute wie uns ist man hier – natürlich – bestens eingestellt. Und so bietet der Transitbereich des Flughafens jede Menge Unterhaltungsmöglichkeiten und auch wenigstens zwei Transithotels. In einem davon haben wir uns vorab ein Zimmer gebucht. So können wir die vierzehn Stunden bis zu unserem Anschlußflug mit einer Dusche, ein oder zwei Mützen Schlaf, einem reichhaltigen Mahl und einem Bummel über den Flughafen verbringen.

Letzteren beginnen wir im Terminal 2 im Enchanted Garden. Dieser wird seinem Namen mehr als gerecht, denn verzaubert scheint er wirklich zu sein. In riesigen Glasskulpturen, die in ihrer Form an Blumenbouquets erinnern, wachsen Blumen und Farne. In flachen Teichen tummeln sich bunte Koi-Karpfen zuhauf. Und als wir auf den Pfaden und Stegen langsam durch den Garten wandeln, ertönen rings um uns die verschiedensten Laute, die man sonst nur in freier Natur zu hören bekommt. Wie uns eine Tafel verrät, werden die durch versteckte Lautsprecher zu Gehör gebracht und durch Bewegungssensoren ausgelöst.

Im Orchideengarten im Changi Airport in Singapur
Der Orchideengarten im Terminal 2 des Changi-Airports ist eine wahrhaft exotische Pracht. Mehr als siebenhundert Orchideen in dreißig verschiedenen Arten erblühen hier.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015)
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Nicht weniger beeindruckend präsentiert sich ein Stück weiter der Orchideengarten. Mehr als siebenhundert Orchideen in dreißig verschiedenen Arten blühen hier. Ein wahrhaft farbenprächtiger Anblick. Gruppiert sind sie nach Farben und Formen, so daß sie die vier Elemente der Natur repräsentieren: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Dabei stehen weiße Orchideen für das Element Luft. Seltene braune und grüne Orchideen, die auf baumartigen Skulpturen wachsen, stellen die Erde dar. Gigantische, kerzenförmige, mit Orchideen bewachsene Säulen symbolisieren das Feuer, während blaue und violette Orchideen das Wasser-Element bilden. Ich gebe zu, daß mir das beim Durchwandern des wunderschönen kleinen Areals nicht auffällt. Dafür bin ich viel zu sehr von der Schönheit der exotischen Blüten gefangen. Ich lese es später auf der Website des Flughafens.

Unsere Wanderung durch das Terminal 2 des Changi-Airports führt uns anschließend hinaus auf eine kleine Dachterrasse. Im darauf angelegten Sonnenblumengarten erblühen eine Vielzahl kleine Sonnen. Für die tropische Wärme, die uns hier entgegenschlägt, sind sie jedoch nicht verantwortlich. Diese geht auf das Konto ihrer großen Schwester über uns, die an diesem Tag unbestreitbar ihr Bestes gibt.

Auf einer kleinen Bank halten wir eine kurze Rast und schauen den Flugzeugen auf dem Rollfeld zu. Als wir schließlich wieder ins Innere des riesigen Terminal-Gebäudes zurückkehren, wird mir erst richtig bewußt, das dieses in Gänze klimatisiert ist. Für ein paar Augenblicke kommt es mir richtig kühl vor, doch das vergeht, als ich mich an die deutlich niedrigere Innentemperatur gewöhnt habe.

Wir schlendern zur Station des sogenannten Sky-Trains, einer automatischen Bahn, die die drei Terminals des Flughafens miteinander verbindet. Sie war einst das erste fahrerlose und vollständig automatisierte Personentransportsystem in Asien. Eine kurze Fahrt bringt uns hinüber zum Terminal 3, wo uns in der großen Halle ein Paar Ziegen begrüßt. Umgeben von bunten Blumen stehen sie auf einem Podest und schauen auf uns herab. Die beiden Tierskulpturen weisen unmißverständlich auf das am 19. Februar beginnende chinesische Jahr der Ziege hin.

Der Schmetterlingsgarten im Terminal 3 des Changi Airport in Singapur
Im Schmetterlingsgarten im Terminal 3 des Changi-Airports Singapur leben zwischen dreißig und vierzig Schmetterlingsarten.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015)
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Unser Ziel ist der Schmetterlingsgarten – der erste der Welt, der sich in einem Flughafen befindet. Es handelt sich dabei um ein kleines tropisches Habitat mit einem ebenso kleinen Wasserfall. Hier leben zwischen dreißig und vierzig Schmetterlingsarten, von denen zahlreiche Exemplare um uns herumflattern. Mit etwas Geduld können wir sie, als sie sich auf die Zweige der hier gedeihenden Pflanzen setzen, aus allernächster Nähe in Augenschein nehmen.

Gerne hätten wir uns noch mehr der zahlreichen Attraktionen des Changi-Airports angesehen. Verschiedene weitere Gärten mit Kakteen, Wasserlilien und zu Skulpturen geformten Bäumen sind neben Spas, Kinos und natürlich zahlreichen Geschäften nur einige der vielen Möglichkeiten, mit deren Hilfe man sich im Transitbereich dieses riesigen Flughafens die Zeit vertreiben kann. Doch inzwischen ist der Abend unseres zweiten Reisetages nähergerückt, und mit ihm auch der Startzeitpunkt unseres nächsten Fluges. Glücklicherweise sind wir im Terminal 3 bereits am richtigen Ort, so daß wir nur noch unser Gate finden müssen. Das ist aufgrund der exquisiten Beschilderung überhaupt kein Problem, und so sitzen wir alsbald wieder in einem Warteraum, bis unser Flug aufgerufen wird und wir an Bord des nächsten A 380 gehen. Und wieder habe ich Glück, denn auch hier bleibt der Platz neben mir leer. Ich möchte es fast für ein Geschenk des Himmels halten, in den wir gleich hinaufsteigen werden.

Kurz vor 21 Uhr und damit ganz pünktlich lösen wir uns vom Terminal, starten und fliegen in die Nacht hinein. Nun bin ich über die wenigen Stunden Schlaf, die ich im Transithotel genießen konnte, mehr als froh, denn mir steht ein weiterer Film-, Musik- und Lesemarathon bevor. Auf dem kleinen Monitor an meinem Platz werfe ich zwischendurch immer wieder einen Blick auf die Flugroute. Als wir Australien überfliegen, graut nach etwa sieben Stunden Flug vor den Fenstern langsam der Morgen und wir steuern auf Brisbane zu. Ein wenig fühlt es sich wie ein Wiederkommen an, denn hier war auf unserer vorangegangenen Australienreise unser erstes Ziel. Diesmal geht es jedoch noch ein ganzes Stück weiter, und so fliegen wir auf’s Meer hinaus. Es ist schon eine komische Vorstellung: wir hier oben in der leeren Luft, und unter uns nichts als die weiten Wasser der Tasmanischen See. Auf einmal kommt mir unser am Boden so riesig wirkendes Flugzeug wie eine winzige, uns umgebende Nußschale vor.

Von dieser Vorstellung werde ich jedoch alsbald abgelenkt, denn es gibt Frühstück. Als wir unsere Aufmerksamkeit schließlich wieder dem Fluggeschehen zuwenden können, haben wir bereits mit dem Anflug auf Auckland begonnen. Vor den Fenstern präsentiert sich uns bestes Wetter. Zwar tummeln sich zahlreiche Wolken im Blau des Himmels, von denen viele noch unter uns schweben, doch bieten sich uns genügend Möglichkeiten, Blicke auf den unter uns liegenden Planeten zu werfen. Wir gehen tiefer und tiefer und sehen doch immer noch nur Wolken und Wasser unter uns.

A 380 auf dem Auckland Airport
Wir verabschieden uns von unserem A 380, der uns so wohlbehalten hierher nach Auckland gebracht hat, mit einem letzten Blick. Dreiundzwanzig Stunden reine Flugzeit liegen hinter uns.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015)
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Als ich schon anfange zu glauben, wir würden diesmal auf der Meeresoberfläche landen, taucht endlich doch ein Küstenstreifen zwischen den Wolken auf. Vor uns liegt Aotearoa. In der Sprache der Māori, Neuseelands Ureinwohner, bedeutet dies Land der langen weißen Wolke. Eine mündlich überlieferte Legende der Māori erzählt, daß die Tochter des Entdeckers Kupe, als sie am Horizont etwas Weißes entdeckte, „He ao!“ ausgerufen haben soll – „Eine Wolke!“ Sie hatte die Great-Barrier-Insel entdeckt, die die Māori bis heute Aoteo – Weiße Wolke – nennen. Als sie hinter dieser Insel eine weitere, um vieles größere Landmasse vorfanden, gaben sie dieser den Namen Aotea Roa.

Wir nähern uns der Nordinsel Neuseelands von Westen und treffen auf der Höhe des Kaipara Harbour auf die Küste. Unser Flugzeug beschreibt nun eine weite Schleife, um den Anflug auf Auckland zu bewerkstelligen. Dafür überfliegen wir die Nordinsel einmal von Westen nach Osten und überqueren – nun schon im Einzugsgebiet von Auckland – den Hauraki-Golf, wo wir die Inseln Rangitoto, Motutapu und Rakino Island von oben betrachten können.

Als unser Flugzeug schließlich auf der Landebahn des Flughafens von Auckland aufsetzt, sind nun auch wir hier angekommen. Ganze dreiundzwanzig Stunden reine Flugzeit liegen hinter uns, zu denen noch die Aufenthalte an den Flughäfen kommen. Daß wir uns nun auf der anderen Seite der Welt befinden, haben wir eindrücklich vermittelt bekommen. Doch so anstrengend es auch war – wir fiebern dem entgegen, was da draußen auf uns wartet. Das Flugzeug kommt zum Stehen, wir sammeln unser Handgepäck ein und reihen uns in die Schlange der am Ausgang wartenden Fluggäste. Dann öffnen sich die Flugzeugtüren – und das Abenteuer beginnt.

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