In den unendlichen Weiten – Ein Bericht von der FedCon XXI (II)

Fortsetzung von „In den unendlichen Weiten – Ein Bericht von der FedCon XXI (I)“

19. Mai, 9 Uhr.

Der Tag beginnt gleich mit einem Höhepunkt. Für 9:30 Uhr ist ein Vortrag von Dr.-Ing. Hubert Zitt angekündigt. Und wie es sich für die FedCon gehört, ist das nicht irgendein Vortrag, sondern eine seiner Star-Trek-Vorlesungen. Als ich etwa fünfzehn Minuten vor Beginn den Saal betrete, ist er schon recht gut gefüllt, und als es dann losgeht, ist er voll. Kein Wunder, denn die Star-Trek-Vorlesungen sind mittlerweile schon regelrecht berühmt. In dieser soll es nun um „Fehler bei Star Trek“ gehen. Und wie es sich für einen Wissenschaftler gehört, dreht es sich dabei nicht einfach nur um Pannen beim Dreh oder Logikfehler in Handlung oder Szenenschnitt. Die kommen natürlich auch im Vortrag vor. Zitt stellt aber auch Fehler vor, die erst auffallen, wenn man sich mal die Mühe macht, ein wenig zu hinterfragen und nachzurechnen, was denn da in dem Techno-Babble in den Serien so alles dahergeredet wird. So stellt sich dann beispielsweise heraus, daß die Enterprise NX-01 in der fünften Star-Trek-Serie „Enterprise“ nur wenig mehr als 100 Kilogramm wiegt, daß Captain Kirk mit seiner Enterprise die Erde zerlegt haben dürfte, als er in ihrer Atmosphäre in den Warp-Flug ging und daß Andorianerinnen interessante körperliche Eigenschaften unter Adrenalin-Einfluß entwickeln. Das alles ist unterlegt mit zahlreichen Filmausschnitten und so unterhaltsam dargeboten, daß die neunzig Minuten wie im Fluge vergehen.
Ich wechsle in den großen Saal hinüber, wo Gates McFadden ihr zweites Panel absolviert. Es ist bis zum späten Nachmittag das letzte Panel an diesem Tag, denn heute findet die erste große Autogrammstunde statt. Und so wird nach Ende des Panels der große Saal umgeräumt. Tische werden aufgestellt, an denen die Schauspieler sitzen sollen, Stühle werden beiseitegeschoben und Gassen durch die Stuhlreihen geschlagen, in denen die Fans dann nach den Autogrammen anstehen können. Solange das geschieht, werden wir ausgesperrt.
Da im Preis des Gold-Tickets ein Autogramm eines jeden Stars bereits enthalten ist, werden die Gold-Ticket-Inhaber als erste in den Saal gelassen. Es muß ihnen ja garantiert werden, daß sie ihre bezahlten Autogramme auch erhalten. Insgesamt sind auf dieser Convention zweiundzwanzig Stars anwesend, mit dem Zeremonienmeister Garrett Wang sind es sogar dreiundzwanzig! Bis man da von jedem ein Autogramm geholt hat, braucht es natürlich seine Zeit. Das ist in der ersten viertel bis halben Stunde, die wir allein im Saal sind, natürlich nicht zu schaffen. Andererseits kann man natürlich auch nicht darauf warten, daß alle Gold-Ticket-Inhaber den Saal wieder verlassen haben, bis man alle anderen – Inhaber von Wochenendtickets und Tagesgäste – hineinläßt, denn da diese für alle Autogramme, die sie haben möchten, vorher Gutscheine kaufen müssen, muß natürlich auch ihnen garantiert werden, daß sie ihre Autogramme bekommen. Eine schwierige Situation für die Organisation und die Helfer, die die Fanmassen durch die Autogrammstunde dirigieren müssen.
Leider kommt es dabei zu einigen Ungereimtheiten. Als die ersten Tagesgäste und Wochenendticket-Inhaber eingelassen werden, habe ich gerade mal drei Autogramme zusammen. Erfreulicherweise lassen es sich einige Stars nicht nehmen, mit den Fans einige Worte zu wechseln und auch ausführlichere Widmungen zu schreiben. Aber das kostet natürlich Zeit. Und so haben sich alsbald an fast allen Tischen längere Schlangen gebildet. Wie sich herausstellt, werden wir Gold-Ticket-Inhaber an jeder Schlange vorgelassen, was für uns natürlich gut ist, da wir so relativ schnell zu allen Autogrammen kommen. Für die anderen Wartenden in den Schlangen ist das allerdings weniger angenehm und mit der Zeit sogar extrem ärgerlich, denn sie müssen warten und warten und warten und dürfen dabei zusehen, wie ein Gold-Ticket-Inhaber nach dem anderen an ihnen vorbeigeht und vorne eingelassen wird. Leider ist es nun von Schlange zu Schlange sehr unterschiedlich, wie die jeweiligen Helfer mit der Situation umgehen. An einigen Stellen übernimmt es der dort plazierte Helfer, die Fans gezielt zu sortieren und den Wartenden zu erklären, warum ein anderer jetzt vor sie in die Schlange treten darf. Oft kommt es jedoch vor, daß Helfer von der Regelung gar nichts wissen und erst einmal einen Vorgesetzten fragen müssen, wie mit den Gold-Ticket-Inhabern verfahren werden soll. Andere wissen zwar Bescheid und schicken uns vor, überlassen es dann aber uns, die unweigerliche Auseinandersetzung mit den anderen wartenden Fans zu führen, die sich verständlicherweise in Unkenntnis der Situation aufzuregen beginnen, warum permanent Leute vorgelassen werden und sie selbst warten müssen. Um die Situation zu entspannen, helfen sich an einigen Schlangen die Fans schließlich selber und organisieren ein Reißverschlußprinzip. Insgesamt ist das jedoch eine recht unerfreuliche Angelegenheit, denn auch uns Goldies bereitet es natürlich kein sonderliches Vergnügen, uns von anderen Fans anmachen lassen zu müssen. Das wünsche ich mir für die nächste Convention anders. Hier sollte die Organisation klare Regeln für den Ablauf vorgeben, die von den Helfern dann sowohl umgesetzt als auch kommuniziert werden.
Doch bei aller Kritik, die ich in diesem Punkt habe, muß ich andererseits den Organisatoren der Convention auch ein großes Lob aussprechen. Angesichts der vielen Teilnehmer – insbesondere an diesem Sonnabend, an dem sogar die Tagestickets ausverkauft sind und an die sechstausend Con-Besucher anwesend sein sollen – läuft diese Convention weitestgehend reibungslos ab und wird, wenn ich von mir selbst ausgehe, für alle Teilnehmenden zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
Die Autogrammstunde beschäftigt mich eine ganze Weile. Im großen Saal gehe ich von Schauspieler zu Schauspieler, stelle mich an kurzen und mittellangen Schlangen an und nehme nur an sehr langen Schlangen mein Privileg, den Vorgang abkürzen zu können, in Anspruch. Als ich bei allen Schauspielern gewesen bin und den großen Saal verlassen kann, stelle ich fest, daß fast drei Stunden vergangen sind. Und ich habe noch nicht mal alle Autogramme zusammen! Einige Schauspieler hat man aus Platzgründen im Foyer plaziert. Und ein weiterer, der mir besonders wichtig ist, sitzt im Salon Moskau. Dorthin muß ich nun als nächstes, und ich habe nicht viel Zeit. Die Autogrammstunde dauert nur noch knappe sechzig Minuten und ich erwarte eine weitere lange Schlange.
Also heißt es für mich raus aus dem großen Saal, durch den Händlerraum und hinüber zum Salon Moskau, der sich im anderen Gebäudeteil befindet. Dort angekommen, stelle ich fest, daß ich mich ihm von der falschen Seite nähere. Das Ende des Zugangsflurs, an dem ich angelangt bin, hat man abgesperrt. Der Eingang ist am anderen Ende. Also wieder zurück, die Treppe hinunter, quer durch das Foyer und die dortigen Menschenmassen geeilt, eine andere Treppe wieder hinauf und wieder zum Salon Moskau. Uff. Ich bin außer Atem. Auf dem Flur stehen keine Leute. Nanu? Habe ich mich im Salon geirrt? An der Tür zum Salon Moskau steht ein Helfer und winkt mich heran. „Zu William Shatner?“ Ich nicke. „Dann schnell, er ist noch da!“ Damit schiebt er mich durch die Tür und in den Raum. Auch dort keine Schlange. Ich habe Gutscheine sowie Foto und Buch, die ich signieren lassen will, noch gar nicht in der Hand. Trotzdem riskiere ich erstmal einen Blick zum Tisch. Tatsächlich, da sitzt er. William Shatner. Daß ich das noch mal erleben… Ein weiterer Helfer ruft mir zu, ich solle mich beeilen. Also das ist mir wirklich noch nie passiert – in all den Jahren, die ich jetzt schon zur FedCon fahre, nicht. Ich als Fan, der sonst überall anstehen muß, soll mich beim Abholen eines Autogramms beeilen! Sachen gibt’s.
Hektisch krame ich die Gutscheine hervor und lege das Buch auf den Tisch. Dann das Foto. Noch habe ich es nicht ganz aus der Mappe gezogen, da liegt das Buch mit Autogramm schon wieder vor mir. Jetzt schnell das Foto hingelegt. Im Nu hat Shatner das Autogramm draufgeschrieben, nickt mir kurz zu – und dann werde ich von einem weiteren Helfer auch schon wieder rausgewunken. Insgesamt hat das Ganze keine zwei Minuten gedauert. Verrückt. Eine Widmung habe ich weder im Buch noch auf dem Foto, aber das war vorher bekannt. Keine Widmungen, keine Unterhaltung, keine Fotos. Eigentlich schade. Aber ich ärgere mich auch nicht – manche Dinge sind einfach, wie sie sind. Und auch wenn gerade eben so gar kein Andrang war – wie ich später erfahre, war das die meiste Zeit an diesem Sonnabend und am folgenden Sonntag deutlich anders. Ich habe einfach Glück gehabt, daß ich nicht warten mußte. Die Autogramme im Foyer kann ich mir nun schon wieder ganz entspannt abholen, denn ich habe ja immer noch fast eine ganze Stunde Zeit…
Jetzt steht Essen auf dem Plan. Seit einigen Jahren spare ich mir den Erwerb der Essenspakete, die einen berechtigen, Mittag und Abendbrot im Restaurant im Hotel einzunehmen. Da diese Mahlzeiten zu festgesetzten Zeiten stattfinden, verpaßt man dadurch oft genug ein Panel, daß man sich eigentlich ansehen wollte. Zusätzlich werden immer noch an ein oder zwei Ständen im Foyer kleinere Mahlzeiten angeboten, die man gegen Essensmarken, die vorher zu erwerben sind, bekommt. In den vergangenen Jahren war das für mich immer mehr als ausreichend. Hier gab es kleine warme Speisen – Burger, Pizza, Nudelgerichte und auch einiges Gesündere. Diesmal hat man das Angebot allerdings stark zurückgenommen, so daß es mir schon sehr schwerfällt, mit dem Essen auszukommen. Es sind diverse Baguettes und Wraps verfügbar, auch Kuchen gibt es und Salate, aber so gut wie keine warmen Speisen mehr, sieht man einmal vom Cheeseburger ab, von dem alleine aber auch niemand satt werden kann. Liebe Organisatoren, solltet Ihr das hier zufällig lesen: Das war die Jahre zuvor deutlich besser!
Für den Rest des Tages – ja eigentlich sogar der ganzen Con – ist mir nun Entspannung sicher. Ich muß nichts mehr erledigen und habe alles erworben, was ich haben wollte. Von jetzt an kann ich mir ganz in Ruhe die Panels ansehen, die mich interessieren, durch die Räume bummeln, mir die ausgestellten und angebotenen Dinge ansehen und mir die Zeit vertreiben. Damit beginne ich auch gleich und schlendere durch das Foyer des Hotels und beobachte die Fans. Der Sonnabend ist immer der meistbesuchte Tag auf der Convention, da dann auch die meisten Tagesgäste kommen. Und so nutzen viele Fans diesen Tag, um ihre Kostüme zu präsentieren. Viele davon sind in liebevoller Arbeit in den Monaten vor der Convention selbstgemacht worden, und fast alle sehen sensationell aus. Zuerst fallen mir drei Weeping Angels aus der Serie „Doctor Who“ auf. Geniale Kostüme, wirklich täuschend echt gemacht. Und die klassische Pose dieser Wesen haben die drei jungen Damen perfekt drauf. Ein paar Meter weiter begegnen mir Lara Croft und Wolverine, dahinter piepst ein R2D2 vor sich hin und rollt durch die Menschenmenge. Darth Vader keucht schwer atmend an mir vorbei, ein Borg-Pärchen stellt sich für ein Foto in Pose. Drei pelzige Wesen mit merkwürdigen Metallmasken kreuzen meinen Weg ebenso wie zwei Na’vi aus dem Film „Avatar“ und eine Gruppe Wraith aus „Stargate Atlantis“. Bei letzteren habe ich fast das Gefühl, es seien Originalkostüme aus der Serie, so gut sind die Kostüme und das Make-Up gestaltet. Nicht bei allen Kostümen weiß ich, was sie darstellen, aber sie anzusehen, macht bei fast allen einen riesigen Spaß. Es gibt allerdings auch einige Liebhaber jeglicher Arten von Uniformen. Warum es so großen Spaß macht, in voller Montur mit schweren Helmen und riesigen Waffen-Attrappen durch die Gegend zu stampfen, kann ich persönlich nicht recht nachvollziehen. Auch an den kostümierten Fans fällt mir daher der Unterschied zwischen Star Trek und manch anderer Science-Fiction-Serie wieder stark ins Auge – die verkleideten Star-Trek-Fans sehen bei weitem nicht so militaristisch aus.
Und dann ist es plötzlich schon wieder 17 Uhr und ich sitze im ersten Panel des Abends. Und dieses ist ein lang erwartetes, denn endlich ist es soweit: William Shatner kommt auf die Bühne. Und dieses Mal bringe ich den Gedanken zu Ende: Daß ich das noch mal erleben darf! Mister Star Trek himself. Und er ist einfach großartig. Die 81 Jahre sieht man ihm überhaupt nicht an. Die ganze Zeit läuft er auf der Bühne auf und ab, kaum, daß er sich mal auf dem Stuhl, den man ihm hingestellt hat, niederläßt. Er beantwortet die Fragen der Fans, erzählt aus seinem Leben und seiner Schauspielerkarriere. Als er gefragt wird, was er von dem letzten Star-Trek-Film halte, findet er ihn großartig – für seine Zeit. Als er ihn mit den ersten sechs Filmen vergleicht, in denen er selbst Captain Kirk verkörperte, stellt er fest, daß damals mehr Wert auf die Handlung, die Beziehungen zwischen den Charakteren gelegt wurde, während heute die Handlung stärker in den Hintergrund tritt. Heute beeindrucken Filme mehr durch ihre Spezialeffekte. Ich kann ihm da nur recht geben, weswegen mir die früheren Star-Trek-Filme auch deutlich besser gefallen als die „modernen“.
Die Stunde mit Shatner verstreicht wie im Fluge. Da der Andrang der Fans so groß ist, daß gar nicht alle in den großen Saal passen, wird das Panel per Video in den kleineren Saal übertragen. Für die Fans, die nur dort untergekommen sind – meist Tageskarteninhaber – ist es natürlich extrem schade, daß sie ihn nicht das ganze Panel über in Person erleben können. Shatner läßt es sich aus diesem Grunde auch nicht nehmen, die ersten zehn Minuten im kleinen Saal vorbeizuschauen und die dortigen Fans zumindest zu begrüßen. Eine schöne Geste.
Als Shatners Panel zu Ende ist, folgt ihm Richard Dean Anderson auf der Bühne. Wieder stellen Fans Fragen, wieder gibt es herzlich viel zu lachen. Diese beiden Schauspieler unmittelbar nacheinander zu erleben – das ist ein Abend, wie er kaum noch zu toppen sein dürfte. Da verläßt kaum einer den Saal.
Zwischen diese und die nächsten beiden Panels hat man den diesjährigen Kostümwettbewerb gequetscht. Eigentlich ist das immer ein großes Ereignis, das alle im Saal mit Freude erwarten. Immerhin treten hier Fans auf der Bühne auf und präsentieren ihre Kostüme in einem Wettbewerb mit verschiedenen Kategorien. Während einige ihre Kostüme einfach vorführen, haben andere zusätzlich noch kleine Aufführungen, Shows oder Sketche einstudiert, die sie nun den anderen Fans im Saal darbieten. Vieles gelingt, manches geht schief – doch immer steckt viel Herzblut und Liebe in den einzelnen Auftritten. Schade, daß dieses Jahr kaum Zeit für den Wettbewerb übriggeblieben zu sein scheint. So wird der Eröffnungsakt ans Ende gestellt, die kleine Show, die normalerweise die Beratungszeit der Jury überbrückt, entfällt gleich ganz und wird uns für das nächste Jahr versprochen. Und eine Siegerehrung gibt es am Ende des Wettbewerbs auch nicht mehr. Die verlegt man in die Closing Ceremony am Sonntag, wo sie dann jedoch nur auf eine schnelle Fotoshow zusammengestrichen wird. Die Preisträger können sich ihren Preis am Bühnenrand abholen.
Liebe Organisatoren: so sollte der Kostümwettbewerb bitte nicht nochmal abgewickelt werden. Die Convention soll doch ein Fan-Treffen sein. Also räumt den Fan-Aktionen bitte auch wieder den gebührenden Platz ein! Dafür können wir es auch verkraften, wenn es einen Vortrag oder einen Star-Gast weniger gibt. Euer Angebot in diesen Bereichen ist bereits erfreulich groß, das müßt Ihr nicht auf Kosten der Fan-Aktionen erweitern.
Nach den letzten beiden Panels des Tages, von denen das erste Jonathan Frakes gehört und das zweite Joe Flanigan und Kavan Smith (Evan Lorne aus „Stargate Atlantis“), die ihres gemeinsam bestreiten, ist dann dieser dritte Convention-Tag vorbei. Als ich den Saal danach verlasse, stelle ich fest, daß im Foyer das Champions-League-Finale auf großer Leinwand übertragen wird. Doch ich habe nicht das Gefühl, dabei etwas verpaßt zu haben, und so bleibe ich auch nicht, um mir das Ende anzusehen. Irgendwie bin ich überhaupt nicht in der Stimmung für Fußball, sondern gerade auf einem ganz anderen Planeten. Und Bayern verliert das Spiel dann ja sowieso…

20. Mai, 12 Uhr.

Der letzte Con-Tag bricht schon wieder an und beginnt für mich etwas später. Am Vormittag finden wegen des zweiten Teils der Autogrammstunde keine Panels statt. Und da ich noch am selben Abend wieder nach Hause fahren muß, nutze ich den Vormittag, meine Sachen zu packen und meine Angelegenheiten im Hotel zu regeln. Als alles glücklich erledigt ist, ziehe ich mit Sack und Tüten zum Maritim-Hotel, wo ich meinen Rucksack in der provisorisch eingerichteten Garderobe abgebe. Von da geht es direkt zum Vortrag „FedCon – Behind the Scenes“, der mein Interesse allein schon dadurch geweckt hat, daß die Vortragende Nessi ihn in der Opening Ceremony mit den Worten ankündigte: „Ich hoffe, Ihr kommt alle zu meinem Vortrag. Ich bin auch schon sehr gespannt, was ich da erzählen werde.“
Und dieser Ankündigung entspricht der Vortrag dann auch ziemlich exakt. Nach ein paar Begrüßungsfolien und einer Vorab-Inhaltsübersicht endet er auch schon wieder – zumindest, was die Folien angeht. Das jedoch wird auf eine Weise vorgetragen, daß der Saal bereits da vor Vergnügen aus dem Häuschen ist. Von da an geht’s in direkter Improvisation weiter. Nessi präsentiert Fotos und Geschichten von der Vorbereitung der Con, die – bei allem Ulk und Vergnügen, die es zwischendurch gibt – einen schönen Einblick geben, wieviel Arbeit aller Beteiligten in der Vorbereitung und Durchführung einer solchen Mammut-Veranstaltung steckt, die uns Fans alljährlich soviel Spaß macht. Dafür an alle an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön.
Und dann geht es in die letzte Panel-Runde für diese Convention. Den Anfang macht Felicia Day mit ihrem zweiten Panel. Ihr erstes hatte ich leider verpaßt, da ich da dem Vortrag von Hubert Zitt den Vorzug gegeben hatte. Mir bleibt sie bei dieser Con vor allem mit zwei Dingen in Erinnerung: erstens scheint es kein Computerspiel zu geben, das sie nicht kennt und bereits selbst gespielt hat. Und zweitens ist sie mit weitem Abstand die Person mit den kreativsten Art und Weisen, auf einem Stuhl zu – nun ja – sitzen.
Direkt im Anschluß kommt noch einmal Walter Koenig auf die Bühne, diesmal begleitet von Garrett Wang, der das Panel gemeinsam mit ihm bestreitet und zu Beginn lauter Dinge vorstellt, die ihm Fans auf der Convention geschenkt haben. Koenig steuert einige trockene Kommentare bei, die zum Lachen reizen. Garrett Wang erzählt eine unglaublich komische Geschichte, wie er nach sechs Jahren Arbeit an der Serie „Star Trek Voyager“ herausfinden mußte, daß seine Figur „Harry Kim“ Chinese war und nicht Koreaner, wie er bis dahin immer gedacht hatte. Für seine Entdeckung, daß beide – Walter Koenig und er – praktisch den gleichen Familiennamen haben, da Wang auf chinesisch wohl auch König bedeutet, erntet er von seinem Bühnenpartner jedoch nur einen skeptischen Blick.
Walter Koenig äußert sich auf die Frage eines Fans bezüglich seiner Meinung über den letzten Star-Trek-Film in ähnlicher Weise wie William Shatner tags zuvor, nämlich daß sich die Art des Filmemachens stark verändert habe. Er bemerkt, daß in früheren Filmen mehr Wert auf die emotionalen Beziehungen der Figuren zueinander gelegt wurde und daß so beispielsweise bei „Star Trek 2 – Der Zorn des Khan“ der Höhepunkt des Films die emotionale Schlußszene mit Spocks Tod ist. Heute jedoch – und dafür sei der letzte Star-Trek-Film ein gutes Beispiel – stehen emotionale Höhepunkte, wenn sie denn vorhanden sind, irgendwo am Anfang oder in der Mitte des Films. Beispielsweise sei dies im letzten Star-Trek-Film die Szene, in der Kirks Vater stirbt. Der Höhepunkt des Films habe hingegen eigentlich nicht viel mit den Figuren zu tun, sondern werde von dem abschließenden Showdown voller Spezialeffekte gebildet.
Beide – Wang und Koenig – bekommen viel Beifall, als sie schließlich ihr Panel beenden. Ihnen folgt – mit stehenden Ovationen begrüßt – William Shatner auf der Bühne, der nun sein zweites Panel bestreitet. Und auch das ist wieder voller interessanter Antworten Shatners auf Fragen der Fans. Beeindruckend finde ich dabei seine Bereitschaft zur Selbstironie und dazu, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen. Als eine junge Frau ihn beispielsweise nach seiner Motivation fragt, Musik zu machen und Alben zu veröffentlichen, wo er doch – ihrer Meinung nach – eigentlich gar nicht singen könne, tut er völlig überrascht und fragt sie, wie sie denn dieses seiner Geheimnisse bloß entdeckt habe. Und dann antwortet er ihr mit den Worten: „You’re right, I can’t sing. But I perform the songs.“
Die Frage eines anderen Fans nach seinem Lieblingsfilm beantwortet er mit „Star Trek V“. Als einige im Saal anfangen zu lachen, betont er, daß er das durchaus ernst meine und er würde uns auch erklären, warum. „Star Trek V“ sei der Film, in dem er selbst Regie geführt habe. Und es wäre sein Lieblingsfilm nicht deswegen, weil der Film so ausgesprochen gut wäre – denn das sei er nicht -, sondern weil er bei diesem Film unglaublich viel gelernt habe – über das Filmemachen und auch über das Leben, das Schließen von Kompromissen und die Konsequenzen, die es habe. Das erläutert er, indem er erzählt, wie er ursprünglich ein ganz anderes Konzept für den Film im Kopf hatte, das dann aber Schritt für Schritt durch Zugeständnisse und Kompromisse, die er eingehen mußte, aufgegeben wurde, so daß schließlich der eher mäßige Film entstand, den wir alle kennen. Mir erscheint diese Bereitschaft, sich selbst und das Erreichte realistisch einzuschätzen, aber auch die Lehren daraus zu ziehen und trotzdem seinen eigenen Weg zu gehen, überaus sympathisch.
Als Shatner schließlich sein Panel beendet, richtet er noch einige abschließende Worte des Abschieds an uns Fans im Saal, da er an der nachfolgenden Closing Ceremony nicht mehr würde teilnehmen können. Als er dann die Bühne verläßt, stehen alle im Saal wieder auf und verabschieden ihn mit stehenden Ovationen. Schön, daß er da war. Das war ein wunderbares Erlebnis.
Die abschließende Closing Ceremony bildet dann einen würdigen Abschluß für diese einundzwanzigste FedCon. Alle Vortragenden und Stars kommen nacheinander noch einmal auf die Bühne und werden von uns Fans gebührend verabschiedet und gefeiert. Es hat allen sichtlich Spaß gemacht, sowohl denen vor als auch denen auf der Bühne. Als dann alle abgehen, verlasse auch ich den Saal. Ich muß meinen Zug erreichen, der mich noch am Abend zurück nach Hause bringen wird. Dadurch habe ich noch keine Zeit, dem Con-Blues zu verfallen. Der ereilt mich erst, als ich wieder im ICE nach Berlin sitze, der diesmal weitestgehend pünktlich unterwegs ist, da kein Polizeieinsatz alles durcheinander bringt.
Es war eine wunderbare Convention. Nun freue ich mich auf die nächste. Vom 9. bis zum 12. Mai 2013. Bis dann.

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